Gelassenheit, Gleichmut und Minimalismus im Emsland

2. Juni 2013

Anmerkungen eines emsländischen Neubürgers

Was einem wibbeligen Rheinländer im Emsland sofort auffällt, sind die oben genannten Eigenschaften vieler Emsländer. Gestik und Gesichtsausdruck signalisieren Gleichmut. Er ist Ausdruck von Rücksicht auf beider Privatsphäre. Man schätzt es zu Recht nicht, wenn der andere mit der Tür ins Haus fällt. Der Emsländer spricht den Neuen selten von sich aus an, vermutlich um nicht zu stören. Spricht man aber als Neuer den Emsländer nach dem einen oder anderen Jahr stiller Eingewöhnung an, dann stellt man eine große Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit fest. Man wird im Laufe der Zeit selbst ruhig und gelassen. – Es gab früher mal ein Berliner Kabarett „Die Insulaner“. Sie sangen zur Einleitung mit bayerischer doppelter Verneinung: „Der Insulaner liebt keen Jetue nich.“  Sie hätten auch singen können: „Der Emsländer … .“

Die Sparsamkeit findet man im Emsland nicht nur beim Geld, sondern auch in minimaler Gestik. Wenn ich bei meinen Wanderungen auf einem schmalen Weg einem Traktor- oder Autofahrer Platz mache, so bedankt er sich gelegentlich mit nur dem geübten Auge erkennbarer Geste, indem er einen kleinen Finger vom Lenkrad oder die Mundwinkel leicht anhebt. Das überschwängliche rheinische Hallo nimmt sich dagegen direkt aufdringlich aus. Gelassenheit und Gleichmut erlebt man auch ansonsten. Wenn ich im Supermarkt jemanden mit meinem Einkaufswagen blockiere, es bemerke und mich entschuldige, höre ich schon mal: „Och, das macht nichts. Ich hab‘ Zeit.“ In rheinischen und anderen Großstädten wird einem beim Autofahren so oft der Vogel gezeigt, dass man es kaum noch wahrnimmt. Seit acht Jahren ist mir das im Emsland  nicht einmal geschehen. Ich leide schon unter Entzugserscheinungen.

Liebe Autochthone – so heißen in Bevölkerungsstatistiken immer die Alteingesessenen -, liebe authochtone Autofahrer, zeigen Sie mir doch gelegentlich den Vogel, um meinen Entzug zu lindern (aber bitte nicht zu oft). Dafür verspreche ich, morgens vor dem Spiegel einen gleichmütig unbewegten Gesichtsausdruck zu üben.

In diesem Sinne hebe ich statt eines „Moin“ einen kleinen Finger. (Das kann ich schon.)

 

Text: Uwe Müller

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