Tier und Mensch in Afrika

30. Oktober 2026

In Busch und Savanne Ost- und Südafrikas reist man, um Tiere sehen. Das Erlebnis wird intensiver, je länger man sich auf der Pirsch befindet. Man vermutet in jedem Gestrüpp und jeder Senke ein gefährliches oder scheues Tier. Diese gespannte Erwartung erhöht den Reiz einer jeden Pirsch. Allerdings haben die Tiere sich in vielen Nationalparks an Menschen gewöhnt, sofern sie im Wagen sitzen und sich ruhig verhalten, so daß die Tiere den Menschen mal nicht wahrnehmen, mal interessiert betrachten. Der Mensch muß jedoch die Signale des Wilds lesen können. Elefanten immer zeigen, daß diese die Stärkeren sind und ihnen Platz machen. Einige Meter mit dem Wagen zurücksetzen reicht. Bei jungen, unerfahrenen Elefantenmüttern und Bullen in Musth, also in Hitze, weite Abstände halten, jagende und fressende Raubtiere nicht bedrängen, niemals Tiere füttern. Am nächsten kommt man den Tieren in Parks, in denen die Wagen strikt auf den  Wegen bleiben, außerhalb der Wege sehr langsam fahren und nur an vorbezeichneten Stellen bzw. weit weg von Tieren aussteigen. Dann kann man mitten in einem Löwenrudel im völlig offenen Geländewagen stehen oder erleben, daß Elefanten nur Zentimeter am Wagen vorbeimarschieren, evtl. auch anhalten, um den Wagen zu untersuchen und sich am Wagen zu scheuern. Dabei vermittelt das Auf und Ab des Autos ein Schiffsschaukelgefühl.

Viele Camps und Lodges sind völlig offen. Zumindest nachts darf man dort nur in Begleitung eines Wächters – meist hilfsbereite Massai – laufen. Wenn sich gerade eine Büffelherde im Camp befindet, wird man gefahren. Die Tiere streifen meistens nachts, aber auch am Tag durch die Camps. Zebras und Antilopen kommen zum Grasen, Büffel fühlen sich nachts anscheinend sicherer, Elefanten pflücken Akazienschoten von den Bäumen, Flußpferde suchen Nahrung. Bemerkenswert ist, daß die Tiere fast nie etwas zerstören. Es sei denn, sie wollen an Futter oder Wasser gelangen. So kann es passieren, daß man sich morgens nicht waschen kann, weil ein Elefant die Wasserleitung aufgebrochen hat.

Einige Tiere haben sich offenkundig zu Kulturfolgern gewandelt. Der Unterzeichner hat es in Südafrika erlebt, daß Zebras und eine große Herde scheuer Impalas nachts in einer Lodge grasten und man die Herden durchqueren konnte, ohne Flucht auszulösen. In Kenia konnte ihm einmal der traditionelle frühe Morgenkaffee nicht serviert werden, weil ein Elefant vor seinem Bungalow schlief. Dabei lernte der Verfasser, daß Elefanten kräftig schnarchen. In einigen Camps stehen die Unterkünfte auf leicht erhöhten Plattformen. Darunter siedeln sich oft große Gruppen von Zebramangusten an, gelegentlich auch einzelne Ginsterkatzen. Einzelne Tiere haben sich so an Menschen gewöhnt, daß man sie fast als zahm bezeichnen kann.

Geht man morgens durchs Camp, entdeckt man an Spuren und sonstigen Hinterlassenschaften, wer alles zu Besuch war: Flußpferde, Elefanten, Giraffen, Zebras, Antilopen, Löwen, Leoparden, Krokodile und vieles mehr. Man tut gut daran, vor Verlassen seines Bungalows sorgfältig Ausschau zu halten, wer noch im Camp ist. – Es bedarf stabiler Nerven sowie einiger Erfahrung. Zudem muß man  unbedingt auf die Ranger hören, dann erhöhen solche Spannungen das Afrikaerlebnis.

Text/Bilder: Uwe Müller

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