Lesung auf Schloss Clemenswerth:
9. Juli 2026Hermann Vinke wirbt für demokratisches Engagement
Sögel – Mit seiner Lesung auf Schloss Clemenswerth setzte der Journalist und Autor Hermann Vinke ein deutliches Zeichen für Demokratie und gesellschaftliches Engagement. Im Mittelpunkt stand seine Flugschrift „Entscheidet Euch!“, in der er sich mit den politischen Herausforderungen Deutschlands vor dem Wahljahr 2026 auseinandersetzt.
Zahlreiche Gäste verfolgten die Veranstaltung, die weit über eine klassische Autorenlesung hinausging.
Landrat Mark-Andre Burgdorf erinnerte zu Beginn an Vinkes Verdienste um die Aufarbeitung der Geschichte der Emslandlager. Gemeinsam mit dem Journalisten Gerhard Kromschröder habe Vinke bereits in den 1960er Jahren dazu beigetragen, das lange verdrängte Thema öffentlich zu machen. Dieses Engagement habe später auch den Weg für die Gedenkstätte Esterwegen bereitet. Burgdorf zog zugleich Parallelen zur Gegenwart und warnte vor dem Erstarken radikaler Kräfte. Demokratie brauche nicht nur politische Institutionen, sondern auch eine aktive Zivilgesellschaft.
Vinke knüpfte daran mit persönlichen Erinnerungen an. Der 1940 in Rhede geborene Autor schilderte seine Kindheit im Emsland und berichtete, dass über die Lager damals kaum gesprochen worden sei. Erst durch seine journalistische Arbeit bei der „Ems-Zeitung“ habe er sich intensiver mit der Geschichte beschäftigt. Die kritische Berichterstattung über die Emslandlager stieß jedoch auf Widerstände, schließlich wurden Vinke und Kromschröder entlassen.
Im weiteren Verlauf berichtete Vinke aus seinem langen Berufsleben als Journalist und ARD-Korrespondent. Besonders prägend sei für ihn die Zeit rund um die deutsche Wiedervereinigung gewesen. Die gesellschaftlichen Umbrüche hätten sein Verständnis für politische Entwicklungen nachhaltig beeinflusst.
Im Zentrum der Lesung stand die Analyse der aktuellen politischen Lage. Vinke setzte sich kritisch mit dem Erstarken der AfD auseinander und verwies auf wirtschaftliche und soziale Folgen der Wiedervereinigung, die besonders in Ostdeutschland bis heute nachwirkten. Arbeitsplatzverluste, strukturelle Veränderungen und Enttäuschungen über politische Entscheidungen hätten viele Menschen von etablierten Parteien entfremdet. Zugleich warnte er vor möglichen Folgen einer Regierungsbeteiligung der AfD in einzelnen Bundesländern.
Auch internationale Entwicklungen griff Vinke auf. Er kritisierte den autoritären Politikstil von US-Präsident Donald Trump und warnte vor der wachsenden Macht großer Technologieunternehmen und deren Einfluss auf die Meinungsbildung über die sozialen Netzwerke.
Trotz seiner kritischen Analyse vermittelte Vinke keine pessimistische Botschaft. Er rief dazu auf, Demokratie aktiv zu verteidigen. Besonders wichtig sei es, junge Menschen zu erreichen und demokratische Werte auch in sozialen Medien sichtbar zu machen. Demokratie sei kein Selbstläufer.
In der anschließenden Diskussion wurden Sorgen über den Einfluss extremistischer Gruppen sowie die Rolle der Medien thematisiert. Viele Zuhörer zeigten sich beeindruckt von der Klarheit und Aktualität der Ausführungen des 86-jährigen Autors.
Zum Abschluss dankte Museumsdirektorin Christiane Kuhlmann Hermann Vinke für seinen Einsatz und seine offenen Worte. Die Veranstaltung machte deutlich, wie eng Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbunden sind – und dass Demokratie vom Engagement jedes Einzelnen lebt.
Text/Fotos: Lambert Brand









