Virtuelle Seh(e)nsucht – Das HümGym digital im Ludmillenhof

4. Juni 2020

Sögel – In diesen Tagen hätte eigentlich eine Ausstellungseröffnung mit Werken von Schülern des Hümmling-Gymnasiums Sögel im Rathaus der Samtgemeinde Sögel eröffnet werden sollen. Das ist aufgrund der Corona-Pandemie zurzeit nicht möglich. Die vorgesehene analoge Ausstellung ist kurzfristig in eine digitale Ausstellung umgewandelt worden, in der Methode abgeguckt von den großen Museen unserer Zeit. „Wenn also schon die Aufgaben für die Schüler digital nach Hause kommen, bringen wir genauso unsere Ausstellung auf neuen medialen Wegen zum interessierten Betrachter ins Wohnzimmer. Der Titel ist gleichwohl der jetzigen Situation geschuldet, weil auf einmal alles verlangsamt ist und Momente des Innehaltens häufiger werden.

„Damit einhergehend verändert sich das Sehen und die „mediale Sucht“ nach schnellen Bildern, weicht somit der Suche nach Werken der Ruhe, Zufriedenheit und der Sehnsucht“, so Stina Kückmann von der Fachschaft Kunst. „An diesen Umstand wollen wir mit den von uns präsentierten Schülerarbeiten anknüpfen.“

Weiter führt sie aus: „Die Collagen, die Schüler des Jahrgangs 9 zu den Bildern von Caspar David Friedrich („Das Eismeer“ und „Der Wanderer im Nebelmeer“) erstellt haben, sind nicht einfach überarbeitete Kopien des Originals, sondern fordern das Sehen des Betrachters heraus, weil die Naturgewalt Eis nicht mehr als etwas unmittelbar Fassbares wirkt, weil die Weite im Betrachter eine Sehnsucht nach Freiheit und Raum weckt. Der Wunsch nach Unabhängigkeit und Neubeginn kommt auch in den Arbeiten des Jahrgang 12 zum Ausdruck, entspricht er doch der aktuellen Lebenswirklichkeit der Schüler so kurz vor dem Ende ihrer Schulzeit. So entspricht es ihrer Perspektive, dass die Freude auf einen Neustart überwiegt und das Triste jetzt durch farbfrohe Elemente teils in den Hintergrund gedrängt wird. Ebenso entspricht dies unser aller derzeitiger Perspektive: wer wünscht sich nicht einen Neustart? Dennoch bleibt in den Arbeiten auch immer die Frage, ob alles wirklich, ob alles real ist.“

Die Ausstellung wolle nicht nur zum „Ansehen und Nachsehen“ auffordern, sondern anhand von Schülerarbeiten des Jahrgangs 11 zeigen, dass ein Vanitas-Stillleben durch die farbige Zusammenstellung trotz allen analytischen Hintergrunds seine Schwere verliert und eine geradezu magische Anziehungskraft zu entwickeln vermag, sodass man begeistert hinschaue. Diesen Mut zum Experimentieren mit Farbe hatte auch der Jahrgang 7. Aus einem einfachen Nylonstrumpf und Draht wurde dank Kleister eine Plastik mit wunderbaren geschwungenen Formen, die durch die farbliche Gestaltung nochmals unterstrichen wird. Damit ist großzügiger Raum für Phantasie freigesetzt.

Die Ausstellungsleitungen der Samtgemeinde Sögel und der Fachschaft Kunst sind sich einig: „Überzeugen Sie sich von der Magie der Phantasie! Nehmen Sie sich Zeit zum „Ansehen und Nachsehen“ und lassen Sie sich auf entschleunigte Farbspiele ein!“

Hier der link zur virtuellen Ausstellung: https://huem-gym.moorbrink.de/

Text/Foto: Samtgemeinde Sögel

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