Zu Besuch bei Kumpel Anton

10. November 2013

Sögel – „Anton, sacht dä Cervinski für mich, mainze nich auch, dat ne Sechs im Lotto besser is als ne Acht im Farrad?“ Solche und ähnlich tiefsinnige Dialoge wurden in Antons Stammkneipe „Taumfatters Jupp“ an der Theke geführt. Man unterhielt sich über „unser Mutter oder den langen dünnen Wärner, der bei die Frauen im Schrebergatenvaein den kurranten Seger macht, auffe Schicht aber immer am jammern is: „Mutter, tu mich vonne Zeche. Ich kann dat Schwatte nich mehr sehn“. Unser dicke Tante Matta wollte dat klein doof Hildegaad mit besonders unvergleichlicher Grammatik Benimm beibringen: „Wennze nich grüßen tus, kriessese geschimpft“. Man philosophierte über Fußball, Taubenzucht, Schrebergarten, Sparverein, die Familie und die Arbeit „auffe Zeche“.

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung veröffentlichte über Jahrzehnte samstags eine Kolumne über Kumpel Anton und reflektierte dabei in schönstem Ruhrgebietsjargon in schräg-skurriler, aber liebenswert-verständnisvoller Weise die Welt der „Malocher“. So wurde im Laufe der Zeit Kumpel Anton zu einer Symbolfigur des Ruhrgebiets. Daß Kumpel Anton auch zur Projektionsfläche vieler Lästerer über das Ruhrgebiet wurde, störte die ihre Kultur sowie Traditionen liebenden Menschen dort nicht.

Mit dem Sterben von Zechen und Stahlwerken ist das alte Ruhrgebiet untergegangen. Es wurde besenrein umstrukturiert, verlor aber dadurch viel von seinem rauhen Charme.

Diesem alten Geist des Reviers konnten Mitglieder des Forums Sögel nachgehen. Sie nahmen am Sonntag, dem 13.10.2013, an der Mitgliederfahrt des Forums in die Welt Kumpel Antons teil, indem sie die Museumszeche Zollverein in Essen, sozusagen eine der Herzkammern des alten Kohlenpotts, besuchten.

Die Zeche wurde 1847 gegründet und nach dem Zollverein mehrerer deutscher Länder benannt. Zeitweilig war sie die größte Zeche Deutschlands, musste Ende 1986 im Zuge des Zechensterbens aber geschlossen werden. Im Jahr 2001 adelte die UNESCO sie zum Welterbe. Sie bezeichnet sich als schönste Zeche der Welt. Auf ihrem Areal von 200 Fußballfeldern birgt Zollverein neben dem musealen Teil inzwischen über 170 Unternehmen mit ca. 1000 Arbeitsplätzen.

Die Besuchergruppe des Forums hatte genügend Zeit, um alles zu besichtigen. Man sah die Kohlenwäsche, eine gewaltige Anlage, mit der Kohle vom tauben Gestein getrennt wurde, suchte sich durch ein beeindruckendes Gewirr von Förderbändern, konnte Flora und Fauna des „Ruhrgebiets“ vor Millionen von Jahren entdecken, als die Kohle im Entstehen begriffen war und die Region noch am Äquator lag, erhielt eine Einführung in das harte Leben der Bergleute und hatte noch viele weitere Eindrücke vom Geschehen rund um die Zeche Zollverein. Ausgeruht wurde in einem Café umgeben von den brachialen Eisenkonstruktionen einer Werkshalle, sodass man sich sogar bei Kaffee und Kuchen noch in der Erlebniswelt von Kumpel Anton befand.

Text/Foto: Uwe Müller

    

    

© 2010 Forum Sögel e. V.
Information | Geschichte | Zukunft