Geschichtswerkstatt und Soziales Seminar

10. November 2013

Sögel – Wie bereits mehrfach berichtet, wurde die Geschichts- und Zukunftswerkstatt des Forums Sögel bis zum Jahr 1945 erweitert und umgebaut. Einige der neugestalteten Räume bilden das deutsche Kaiserreich, die Weimarer Republik und das Dritte Reich ab. Sie stellen aber mehr dar als nur Wiedergabe eines Geschichtsabschnitts, sondern laden zum Nachdenken ein über  Autoritätshörigkeit, Unterwürfigkeit von Menschen, Vereinen und Institutionen gegenüber dem Staat. Selbst die evangelischen und katholischen Kirchen gehören in diesen Untertanenreigen, obwohl sie wie auch andere Widerstand leisteten. Die Geschichtswerkstatt zeigt, daß das Dritte Reich durchaus kein Betriebsunfall der Geschichte war, sondern eine von mehreren möglichen Folgen einer historisch-geistigen Entwicklung, deren Wurzeln weit zurückliegen und im Kaiserreich verstärkt wurden.

Am 8. 10. 2013 besuchten Teilnehmer/innen des Sozialen Seminars der Diözese Osnabrück die Werkstatt. Nach gemütlichem Plaudern bei Kaffee, Tee und Gebäck startete Bernd Schulte, einer der geistigen Väter der Werkstatt, in dem Raum, der sich mit dem Kaiserreich befasst, einen spannenden Vortrag mit sachkundigem Dialog der Zuhörer über Bismarck, Kulturkampf, Windthorst, politische Gängelei und die Auswirkungen auf das Emsland. Friedrich Schiller wurde seinerzeit zwar als einer der Nationaldichter gefeiert, sein „Geben Sie Gedankenfreiheit, Sire“ im Don Carlos bildete in der sozio-politischen Wirklichkeit aber eine unerwünschte und im wahrsten Sinne des Wortes unerhörte Aufforderung. Bernd Schulte führte anhand der Exponate eindringlich vor Augen, wie es zur Verführung zum unkritischen, obrigkeitshörigen Untertanen kam und dass solche Fehlentwicklungen durch Aufklärung über deren Entstehung sowie Erziehung zur Skepsis gegenüber politischen Verführern und Hinführen zu kritischem Denken vermieden werden können. In diesem Sinne stellen die Werkstatt und insbesondere Bernd Schultes Ausführungen eine Warnung vor Unmenschlichleit und einen Aufruf zur Menschlichkeit dar.

Diese sittlichen Kerngedanken trafen beim Publikum auf völlige Zustimmung. Man blieb gespannt, hochinteressiert und engagiert trotz eines 90-minütigen Vortrags. – Schiller hatte in einer Rede 1784 die Schaubühne (Theater) als eine moralische Anstalt gefordert. Die Geschichtswerkstatt versteht sich neben einem Vermittler von großer und kleiner Geschichte ebenso.

Text/Foto: Uwe Müller

    

  

 

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