„De Winter mutt sien Tiet hebben“

1. März 2026

Heimatliche Kunst und gelebte Traditionen auf Schloss Clemenswerth

Sögel. Mit der Ausstellung „De Winter mutt sien Tiet hebben“ öffnet Schloss Clemenswerth einen besonderen Blick auf den Winter, auf regionale Bräuche und auf eine Kunst, die tief in der Landschaft und im Lebensgefühl des Hümmlings verwurzelt ist. Im Pavillon Clement August treffen eindrucksvolle Winterfotografien der Schlossanlage, fragile Tunscheren als Zeugnisse eines fast vergessenen Neujahrsbrauchs und das Engagement der Heimatvereine aus Sögel, Wippingen und Berßen aufeinander.

Dr. Christiane Kuhlmann, Direktorin des Emslandmuseums Schloss Clemenswerth, dankte besonders den Heimatvereinen, „denen wir die Vorstellung der Winterbräuche und dieser wunderbaren Tunscheren zu verdanken haben“. Die Fotografien von Georg Schröer, Rudolf Stricker und anderen zeigen stille Wege, gefrorene Wasserflächen und so die besondere Schönheit und Klarheit der Anlage im Winter.

In ihrer Rede ging Dr. Kuhlmann ausführlich auf den Begriff Heimat ein. Auch wenn Schloss Clemenswerth kein klassisches Heimatmuseum geworden sei, habe diese Ausstellung sehr viel mit Heimat zu tun. „Heimat ist etwas anderes als ‚zu Hause‘“, erklärte sie. Während das Zuhause ein Ort sei, sei Heimat ein Gefühl. “Heimat ermögliche Verwurzelung, einen wohlwollenden Blick auf Details und eine Begeisterung, die sich nicht immer erklären lasse. Gerade diese Perspektive sei für ein Museum wichtig – ebenso wie die Frage, wie Traditionen weiterwirken und sich verändern.

Zentrales Element der Ausstellung ist die Tunschere, ein Neujahrsbrauch, der traditionell zu Dreikönige gepflegt wird. „Die Heimatvereine konservieren Traditionen nicht, sie tragen sie weiter“, betonte die Museumsdirektorin.

Klaus Abeln vom Heimatverein Wippingen erklärte, dass das Überbringen der Tunschere ein schöner Brauch sei, um Freunden, Bekannten oder Nachbarn eine Freude zu bereiten.

Mit ihren Middewinterhörnern begleiteten Heiner Meiners und Horst Schulte die Ausstellungseröffnung und sorgten weithin hörbar für Begeisterung.

Als Regionalmuseum sehe sich Schloss Clemenswerth sowohl lokalen als auch überregionalen und internationalen Traditionen verpflichtet. „Wir wollen aber das Lokale nicht aus dem Blick verlieren“, sagte Kuhlmann. Ohne das Wissen und die Arbeit der Menschen vor Ort wäre die historische Anlage nie entstanden.

„De Winter mutt sien Tiet hebben“ ist bereits die zweite Ausstellung, die bewusst zeigt, was es sich in Sögel und auf dem Hümmling lohnt, in den Blick zu nehmen.

Zum Abschluss lud Dr. Kuhlmann dazu ein, die Neujahrskuchen, die der Heimatverein Sögel live buk, zu probieren. Christa Nethe und Walburga Wübben zeigten, wie die Hörnchen hergestellt werden.

Weitere Höhepunkte präsentierten sich dann, als die Heimatvereine Wippingen und Berßen später vor Ort zeigten, wie Tunscheren aus Holunderholz gefertigt werden und es in der Schlossküche frische traditionelle Buchweizenpfannkuchen gab. Die Ausstellung ist sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet.

Text: Lambert Brand

© 2010 Forum Sögel e. V.
Information | Geschichte | Zukunft