{"id":9527,"date":"2012-12-09T13:10:29","date_gmt":"2012-12-09T12:10:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/?p=9527"},"modified":"2012-12-09T13:10:29","modified_gmt":"2012-12-09T12:10:29","slug":"dem-leben-wieder-%e2%80%9ehalt%e2%80%9c-geben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/2012\/12\/dem-leben-wieder-%e2%80%9ehalt%e2%80%9c-geben\/","title":{"rendered":"Dem Leben wieder \u201eHalt\u201c geben"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Jasmin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-9528\" title=\"Jasmin\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Jasmin-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Jasmin-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Jasmin.jpg 576w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>Das \u201eMutterwerden\u201c ist ein einschneidendes Erlebnis wohl f\u00fcr jede Frau. Meistens gelingt es, auch wenn es nicht immer leicht ist. Doch was ist, wenn die junge Mutter mit ihrer Mutterschaft \u00fcberfordert ist? Wenn sie nicht wei\u00df, wie sie das Leben mit einem \u00a0Baby bew\u00e4ltigen soll? Wenn sie keine Unterst\u00fctzung aus ihrer Familie, ihrem sozialen Umfeld erf\u00e4hrt? Wenn sie finanziell nicht \u00fcber die Runden kommt? Was dann?<\/p>\n<p>\u201eJede junge Frau in dieser Situation entscheidet ganz unterschiedlich\u201c, berichtet Jose Teixeira, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Kinder- &amp; Jugendhilfe H\u00fcmmling. \u201eWir lesen mehrmals w\u00f6chentlich von Kindern, die aufgrund der \u00dcberforderung ihrer Eltern Schreckliches erfahren, von der Kindesmisshandlung bis hin zur Kindst\u00f6tung.\u201c Daher habe er vor jeder jungen Mutter Respekt, die mutig genug sei, sich bei einer \u00dcberforderung mit der Situation f\u00fcr die Inanspruchnahme von professioneller Hilfe zu entscheiden. \u201eDiese Hilfe kann sie bei uns in der Mutter-Kind-Einrichtung bekommen\u201c, informiert Teixeira.<\/p>\n<p>Er erkl\u00e4rt: \u201eDie Mutter-Kind-Einrichtung ist ein Betreuungsangebot f\u00fcr junge M\u00fctter, die im Hinblick auf eine selbst\u00e4ndige und eigenverantwortliche Lebensf\u00fchrung mit ihrem Kind Betreuung und Unterst\u00fctzung ben\u00f6tigen. Dazu geh\u00f6rt zun\u00e4chst eine intensive Geburtsvorbereitung. Die M\u00fctter lernen, in ihre neue Rolle hineinzuwachsen und allen damit verbundenen Anforderungen gerecht zu werden. Ein weiteres Ziel ist es, eine schulische und berufliche Perspektive zu entwickeln. Die M\u00fctter werden dabei in allen Belangen unterst\u00fctzt, wie z.B. durch eine ganzt\u00e4gige Kinderbetreuung. Gleichzeitig sollen die jungen M\u00fctter auch in ihren altersentsprechenden Bed\u00fcrfnissen ernstgenommen und in ihrer Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung unterst\u00fctzt werden. Freir\u00e4ume f\u00fcr Freizeit und Partnerschaft stehen zur Verf\u00fcgung. Schlie\u00dflich wird das gesamte soziale Netzwerk der M\u00fctter in die Arbeit sinnvoll und f\u00f6rderlich einbezogen. Das Hilfeangebot dieser Wohnform ist \u00fcberwiegend auf junge M\u00fctter und Schwangere ausgerichtet. Gerade in der Zeit rund um die Geburt wird durch eine 24-st\u00fcndige Betreuung ein hohes Ma\u00df an Sicherheit gew\u00e4hrleistet. Es wird darauf geachtet, dass der Altersdurchschnitt der Gruppe homogen bleibt.<\/p>\n<p>Dadurch soll erreicht werden, dass auf die in der Pubert\u00e4t auftretenden Entwicklungsanforderungen und Bed\u00fcrfnisse der jugendlichen M\u00fctter m\u00f6glichst gut eingegangen werden kann.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir haben unser Haus erst im vergangenen Sommer ge\u00f6ffnet und wurden gleich mit Anfragen von den umliegenden Jugend\u00e4mtern \u00fcberh\u00e4uft\u201c, erinnert sich Teixeira. Aus diesem Grund habe sich die Tr\u00e4gerin des Hauses, die Stiftung Kinder- &amp; und Jugendhilfe H\u00fcmmling, dazu entschieden, das Angebot zu erweitern. Ein weiteres Haus wurde angekauft, in dem ab November 2012 nochmals vier M\u00fctter aufgenommen und betreut werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eImmer wieder werden wir mit der Frage konfrontiert, wie sich das alles bezahlen l\u00e4sst. Nun, wir finanzieren uns durch die Betreuungss\u00e4tze der jeweiligen Jugend\u00e4mter \u2013 letztlich also Steuergelder. Ja, unsere M\u00fctter sind in einer angenehmen Atmosph\u00e4re im Neubau untergebracht. Wenn sich die M\u00fctter bei uns wohlf\u00fchlen, werden sie dieses Niveau auch f\u00fcr ihr weiteres eigenst\u00e4ndiges Leben mit Kind anstreben, das ist unser Ziel. Seit dem Fall \u00b4Kevin` haben wir eine gr\u00f6\u00dfere Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung. Bei allen M\u00fcttern, die sich von uns aus in eine bessere Zukunft verabschieden, wei\u00df ich nicht aus pers\u00f6nlicher,sondern auch aus volkswirtschaftlicher Sicht, dass jeder Cent in deren Betreuung gut angelegt war, \u201c \u00e4u\u00dfert sich Teixeira.<\/p>\n<p>Um einen Einblick in den Alltag einer jungen Mutter zu bekommen, schildern wir einen beispielhaften Tagesablauf einer Bewohnerin des Mutter-Kind-Hauses in S\u00f6gel:<\/p>\n<p>\u201eMein Name ist Jasmin, ich bin 21 Jahre alt und lebe seit dem 22.12.2011 mit meiner kleinen Tochter im Mutter-Kind Haus der Stiftung Kinder- und Jugendhilfe H\u00fcmmling. Ich hatte damals sehr gro\u00dfe Probleme und Streit mit meinem Mann und bin von zu Hause weggegangen. Dann war ich erst bei meiner Mutter, dann bei einer Bekannten und dann kurz im Frauenhaus, dort sind wir nicht so gut zu- rechtgekommen. Die Sozialarbeiterin vom Jugendamt hat daf\u00fcr gesorgt, dass ich in S\u00f6gel aufgenommen werden konnte.<\/p>\n<p>Am Anfang war alles fremd und komisch. Ich hatte Schwierigkeiten, mich mit der Hausordnung und den Regeln zurechtzufinden. Es war alles neu, und ich f\u00fchlte mich bevormundet. Aber alle waren total nett zu mir. Die Betreuerinnen haben mir immer wieder erkl\u00e4rt, wie ich es mit meinem Kind gut machen kann. Langsam merkte ich, dass es jeder nur gut mit mir meint und es eine echte Hilfe und Unterst\u00fctzung ist.<\/p>\n<p>Bevor ich mich mit meinem Mann so zerstritten habe, hatte ich schon eine Lehre als Hauswirtschaftshelferin angefangen. Seit M\u00e4rz 2012 gehe ich wieder arbeiten und bin jetzt im 3. Lehrjahr. Mein Tag f\u00e4ngt immer fr\u00fch an. Ich muss um 5.45 Uhr aufstehen und f\u00fcr mich und meine Tochter das Fr\u00fchst\u00fcck vorbereiten. Dann verschwinde ich im Badezimmer, und danach wecke ich um 6.30 Uhr meine kleine Tochter. Wenn ich es noch schaffe, f\u00fcttere ich sie mit ihrem Brot, ansonsten \u00fcbernimmt das die Betreuerin, die auch in der Einrichtung \u00fcbernachtet hat. Seit zwei Wochen packe ich dann auch noch die Kindergartentasche. Ich muss mich beeilen, damit ich p\u00fcnktlich zum Bus komme.\u00a0 Der Bus f\u00e4hrt eine halbe Stunde bis zur Johannesburg. Dort arbeite ich dann bis 13.30 Uhr in der K\u00fcche. Dann geht es schnell nach Hause. Dort wartet meine Tochter auf mich, die erst von 8-12 Uhr mit anderen Kindern in der Krippe der Arche Noah spielen konnte, dann h\u00e4lt sie Mittagsschlaf und wird immer von den Betreuerinnen hingelegt. Wenn sie wach wird, gebe ich ihr manchmal das Mittagessen. Oft ist sie aber auch schon von den Betreuerinnen gef\u00fcttert worden. Dann spiele ich mit ihr, gehe mit ihr spazieren, mache mit ihr eine Radtour oder besuche eine Bekannte. Alle 4 Tage habe ich Waschtag, dann erledige ich unsere W\u00e4sche. Bei sch\u00f6nem Wetter h\u00e4ngen wir die W\u00e4sche nach drau\u00dfen. Dann muss jede Mutter f\u00fcr sich aufpassen, dass sie die W\u00e4sche schnell genug wieder reinholt. Wenn ich Abendbrotdienst habe, muss ich f\u00fcr alle den Tisch decken, meine Tochter f\u00fcttern, alle 2 Tage bade ich sie, dann bringe ich sie ins Bett. Ich muss ihr die Z\u00e4hne putzen, sie frisch wickeln und \u00a0in den Schlafsack packen. Dann lese ich ihr eine Geschichte vor, sie bekommt ihre Gute-Nacht-Flasche, und dann schl\u00e4ft sie auch schon. Danach r\u00e4ume ich den Tisch ab und die K\u00fcche auf. Bei uns wird nach jeder Mahlzeit die K\u00fcche gewischt, da die Kinder beim Selber-essen-lernen noch oft etwas runterwerfen.\u00a0 Manchmal b\u00fcgele ich dann noch W\u00e4sche, weil ich meine Arbeitsgarderobe auch immer frisch haben muss. Wenn ich dann noch Zeit habe, unterhalte ich mich mit den anderen M\u00fcttern, oder es gibt etwas mit der Betreuerin zu besprechen. Wir spielen auch oft noch eine Runde Karten. Da ich aber immer so fr\u00fch aufstehe, gehe ich wochentags immer gegen 21.00 Uhr ins Bett. Da bleibt nicht viel Freizeit.<\/p>\n<p>Ich habe im Mutter-Kind-Haus gelernt, wie ein funktionierender Tagesablauf klappen kann. Seitdem ich hier bin, verstehe ich auch viel mehr, was meine Tochter alles braucht. Es ist immer eine da, die ich fragen kann. Wir M\u00fctter helfen uns auch viel gegenseitig. Wir haben viel Spa\u00df zusammen, manchmal aber sagen wir uns auch die Meinung. Aber wir haben gelernt, uns nicht anzuschreien. Seitdem ich hier bin, habe ich auch wieder besseren Kontakt zu meinem Mann. Er kommt uns hier alle zwei Wochen besuchen und lernt, was ein Vater alles machen soll. Wenn wir nicht einer Meinung sind, sagen wir uns das, aber zanken uns nicht mehr so doll. Wir k\u00f6nnen auch immer zusammen zu einer Betreuerin gehen und uns Hilfe holen Ich finde es richtig gut hier und bin froh, dass ich so viel lernen durfte und darf. Ich f\u00fchle mich jetzt wie eine richtige Mutter. Ich wei\u00df aber auch, dass es noch ein langer Weg ist, den ich ohne die Hilfe von den Betreuerinnen nie geschafft h\u00e4tte.\u201c<\/p>\n<p>Text\/Foto Ingrid Cloppenburg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das \u201eMutterwerden\u201c ist ein einschneidendes Erlebnis wohl f\u00fcr jede Frau. Meistens gelingt es, auch wenn es nicht immer leicht ist. Doch was ist, wenn die junge Mutter mit ihrer Mutterschaft \u00fcberfordert ist? Wenn sie nicht wei\u00df, wie sie das Leben mit einem \u00a0Baby bew\u00e4ltigen soll? 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