{"id":8949,"date":"2012-09-01T08:16:13","date_gmt":"2012-09-01T06:16:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/?p=8949"},"modified":"2012-09-01T08:16:13","modified_gmt":"2012-09-01T06:16:13","slug":"backerei-anneken-werpeloh-%e2%80%93-seit-100-jahren-auf-dem-hummling-ansassig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/2012\/09\/backerei-anneken-werpeloh-%e2%80%93-seit-100-jahren-auf-dem-hummling-ansassig\/","title":{"rendered":"B\u00e4ckerei Anneken, Werpeloh \u2013 seit 100 Jahren auf dem H\u00fcmmling ans\u00e4ssig"},"content":{"rendered":"<p>Das 100j\u00e4hrige Bestehen eines Betriebes \u2013 zumal eines Handwerksbetriebes im l\u00e4ndlichen Raum &#8211; regt an, R\u00fcckschau zu halten.<\/p>\n<p>Wie fing alles an vor 100 Jahren, im letzten Abschnitt eines Jahrtausends?<\/p>\n<p>Wie schafften es die Menschen, die vor uns gelebt haben, aus kleinsten Anf\u00e4ngen heraus ein Unternehmen durch zwei Weltkriege und zwei Inflationen, durch wirtschaftliche Durststrecken und pers\u00f6nliche Trag\u00f6dien zu steuern und weiter zu entwickeln?<\/p>\n<p>Gr\u00fcnder der B\u00e4ckerei ist Anton Melchior Anneken. Er begann am 21. April 1903 in der \u201eBrot- und Pfefferkuchenb\u00e4ckerei\u201c Jansen in S\u00f6gel eine B\u00e4ckerlehre, welche er am 23. April 1906 mit einer guten Gesellenpr\u00fcfung abschloss.<\/p>\n<p>Anton M. Anneken blieb noch einige Jahre als B\u00e4ckergeselle bei Jansen und bereitete sich auf die Meisterpr\u00fcfung vor. Zun\u00e4chst jedoch musste der junge B\u00e4cker noch seinen Dienst \u201ef\u00fcr Volk und Vaterland\u201c ableisten und wurde 1910 zum Wehrdienst im Kaiser Franz-Garde-Grenadier Regiment Nr. 2 in Berlin einberufen. Nach seiner R\u00fcckkehr legte er am 22.04.1914 vor dem Pr\u00fcfungsausschuss der Handwerkskammer Osnabr\u00fcck die Meisterpr\u00fcfung ab.<\/p>\n<p>Er hatte mit Unterst\u00fctzung seines Vaters an der Stra\u00dfe S\u00f6gel-B\u00f6rger, in der Ortsmitte von Werpeloh, ein Grundst\u00fcck zur Errichtung einer B\u00e4ckerei mit kleinem Gemischtwaren-Laden und Wohnhaus erworben. Im September 1912 erfolgte die Eintragung der neuen B\u00e4ckerei in die Handwerksrolle.<\/p>\n<p>In den Anfangsjahren wurden haupts\u00e4chlich Schwarzbrotlaibe, ca. 24 Pfund schwer, hergestellt. Sie wurden in einem sogenannten \u201eTunnelofen\u201c, der mit Holz und Torf beschickt wurde, gebacken. In gro\u00dfen Holztr\u00f6gen wurde der Teig geknetet- nat\u00fcrlich mit der Hand. Den zur Schwarzbrotherstellung erforderlichen Roggen brachten die Leute von Werpeloh zur Backstube. Daneben wurden Brotteige abgebacken, die die Hausfrauen selbst hergestellt hatten.<\/p>\n<p>Nach und nach begann Anton Anneken auch damit, Zuckerzwieb\u00e4cke \u2013 die heute noch hochgesch\u00e4tzten \u201eKoffi-Besch\u00fct\u201c &#8211; zu backen. Am Wochenende packte der Meister seine Produkte in einen Armkorb und ging damit von Haus zu Haus.<\/p>\n<p>Eine Spezialit\u00e4t des Hauses sind bis heute die Spekulatius, die in der Adventszeit noch immer von Hand und nach des Gr\u00fcnders Rezeptur hergestellt werden und weit und breit bekannt sind. Auch auf die traditionellen Martinsg\u00e4nse und Stutenkerle aus dem Hause Anneken freuen sich die Leute Jahr f\u00fcr Jahr. Dass nur erstklassige Rohstoffe aus der Region verarbeitet werden, war und ist f\u00fcr die B\u00e4ckerei selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg bedeutete f\u00fcr das junge Unternehmen eine harte Zerrei\u00dfprobe. Da sich das Gesch\u00e4ft noch in der Anfangsphase befand, wurde Anton Anneken zun\u00e4chst vom Kriegsdienst zur\u00fcckgestellt, erhielt jedoch 1916 einen endg\u00fcltigen Stellungsbefehl. Ein Jahr sp\u00e4ter wurde er so schwer verwundet, dass ihm ein Bein amputiert werden musste. Er kehrte als Invalide nach Werpeloh zur\u00fcck und \u00fcbernahm wieder das Ruder in der B\u00e4ckerei, die seine Schwester Margarethe w\u00e4hrend seiner Abwesenheit versucht hatte, in Gang zu halten.<\/p>\n<p>Die Arbeit am hei\u00dfen Ofen, das lange Stehen und eine Prothese, die noch weit vom heutigen Standard k\u00fcnstlicher Gliedma\u00dfen entfernt war, haben dem Kriegsveteranen zeitlebens gro\u00dfe Schwierigkeiten bereitet. Dennoch lie\u00df Anton A. sich nicht unterkriegen. Noch heute ist er bei den Werpelohern wegen seines Humors und seiner Warmherzigkeit in freundlicher Erinnerung.<\/p>\n<p>1920 heiratete er Maria Klahsen aus B\u00f6rger. Die Ehe war mit 10 Kindern gesegnet.<\/p>\n<p>Dem unerm\u00fcdlichen Einsatz von Maria Anneken ist es ma\u00dfgeblich zu verdanken, dass trotz Inflation und Rezession als Folge des 1. Weltkrieges und trotz der Katastrophe des 2. Weltkrieges die B\u00e4ckerei Anneken weiterhin gedieh. Maria starb kurz vor Vollendung ihres 104. Lebensjahres im September 1999.<\/p>\n<p>Neben der B\u00e4ckerei entwickelte sich auch das Ladengesch\u00e4ft. Zu den sog. Kolonialwaren wurden Eisenwaren, Porzellan und Spielwaren ins Sortiment aufgenommen.<\/p>\n<p>Als Nachfolger des Vaters war der zweite Sohn, Bernhard Anneken, vorgesehen gewesen. Das Schicksal meinte es jedoch anders. Nachdem er 1944 die Gesellenpr\u00fcfung im B\u00e4ckerhandwerk abgelegt hatte, wurde Bernhard A.<\/p>\n<p>zum Kriegsdienst einberufen. Der erst 17-j\u00e4hrige starb in den letzten Wochen des 2. Weltkrieges den Soldatentod.<\/p>\n<p>Seinen Platz nahm sp\u00e4ter der zweitj\u00fcngste Sohn Josef ein. Er erlernte das B\u00e4ckerhandwerk in der Firma Uchtmann in Lathen und wollte nach der Gesellenpr\u00fcfung die erlernten Kenntnisse in anderen Betrieben anwenden und vertiefen.<\/p>\n<p>Nach einem Jahr in einer bekannten Hamburger B\u00e4ckerei wurde Josef jedoch nach Hause zur\u00fcckgerufen. Der Gesundheitszustand des Vaters Anton verschlechterte sich zusehends, so dass er seine Arbeit in der Backstube nicht mehr leisten konnte. Josef Anneken belegte einen Meisterkurs an der B\u00e4ckerfachschule in Olpe und konnte bereits mit 22 Jahren, im Dezember 1961 die Meisterpr\u00fcfung ablegen. Au\u00dferdem erhielt er die Sondergenehmigung, von dato an auch Lehrlinge auszubilden.<\/p>\n<p>Unter Josefs Leitung wurde eine erste umfassende Modernisierung der B\u00e4ckerei in Angriff genommen. Die \u00d6lbefeuerung des Backofens war bereits Ende der 1950er Jahre installiert worden. Nun brachte die Anschaffung moderner Maschinen und Hilfsmittel eine wesentliche Arbeitserleichterung, und ein effizienter arbeitender neuer Backofen erm\u00f6glichte eine Erweiterung des Angebotes an Brotsorten und hochwertigen Backwaren aller Art. Auch frische Br\u00f6tchen zum Fr\u00fchst\u00fcck waren nun t\u00e4glich zu haben.<\/p>\n<p>1964 starb Anton Melchior Anneken, der Gr\u00fcnder der B\u00e4ckerei.<\/p>\n<p>Die fortschreitende Entwicklung auf dem B\u00e4ckerei-Sektor machten st\u00e4ndige Erweiterungen der Produktionsfl\u00e4che, eine fortlaufende Modernisierung der Maschinen und Hilfsmittel sowie mehrfache Umgestaltungen der Verkaufsfl\u00e4che erforderlich.<\/p>\n<p>In all den Jahren bildete Josef Anneken Lehrlinge aus, die mit guten und sehr guten Abschl\u00fcssen ihre Gesellenbriefe erhielten. Auch der erste weibliche B\u00e4ckerlehrling\u00a0 im Altkreis H\u00fcmmling &#8211; damals fast eine Sensation- wurde bei Josef Anneken besch\u00e4ftigt. Bei Wettbewerben, die auf Bezirks- und Landesebene durchgef\u00fchrt werden, geh\u00f6rten Azubis aus dem Hause mehrere Male zu den Gewinnern.<\/p>\n<p>Gegen Ende der 1980er Jahre kam in der Firma Anneken die Frage der Nachfolge ins Spiel. Sohn Michael wusste von Kindesbeinen an, was ein B\u00e4ckerei- und Gesch\u00e4ftsbetrieb beinhaltete und welch hoher pers\u00f6nlicher Einsatz und auch Opfer im Privatleben dem Inhaber abverlangt werden.<\/p>\n<p>Obwohl zun\u00e4chst noch unschl\u00fcssig, bereitete er sich jedoch darauf vor, die Nachfolge seines Vaters Josef anzutreten. Er erlernte im Betrieb \u201eSch\u00e4fers Backstuben\u201c in Osnabr\u00fcck das B\u00e4ckerhandwerk und schloss daran eine Konditorenausbildung in Meppen an. Michael erwarb noch die Fachhochschulreife, das sog.<\/p>\n<p>\u201eFachabitur\u201c im Bereich Lebensmittel und Ern\u00e4hrung und legte 1994, wie schon sein Vater 1961, in der B\u00e4cker-<\/p>\n<p>fachschule Olpe im Sauerland die Meisterpr\u00fcfung ab.<\/p>\n<p>Nach der Zivildienstzeit, welche er als Rettungssanit\u00e4ter absolvierte, vertiefte er in verschiedenen B\u00e4ckereibetrieben seine Kenntnisse sowohl in praktischer als auch in betriebswirtschaftlicher Hinsicht. Nun war er ger\u00fcstet, den Familienbetrieb zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Am Beginn des 21.Jahrhunderts, am 1. Januar 2000, \u00fcbergab Josef Anneken seinem Sohn Michael die Firma,\u00a0 welche er zusammen mit seiner Ehefrau Heidi seitdem f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Er machte aus dem Lebensmittelgesch\u00e4ft mit B\u00e4ckerei ein modernes B\u00e4ckerei-Fachgesch\u00e4ft mit einem Lebensmittelangebot f\u00fcr die Nahversorgung. Die freigewordenen r\u00e4umlichen Kapazit\u00e4ten konnten wiederum f\u00fcr die Vergr\u00f6\u00dferung der Backstube genutzt werden.<\/p>\n<p>Mit Stolz kann die Firma nunmehr auf 100 Jahre Familienb\u00e4ckerei zur\u00fcckblicken und k\u00f6nnte den kommenden Jahren gelassen entgegen sehen.<\/p>\n<p>Wie aber werden diese Jahre aussehen?<\/p>\n<p>Bei Annekens selbst scheint durch zwei S\u00f6hne und eine Tochter die Zukunft gesichert zu sein. Aber wird es f\u00fcr B\u00e4ckereien auf dem Dorf \u00fcberhaupt eine Zukunft geben?<\/p>\n<p>Schon heute ist es sehr schwer, geeignete Auszubildende zu bekommen. Der B\u00e4ckerberuf ist f\u00fcr viele Schulabg\u00e4nger unattraktiv, denn das nun einmal unvermeidliche fr\u00fche Aufstehen und die Wochenendarbeit schrecken viele Jugendliche ab.<\/p>\n<p>Und die europaweit agierenden Backfabriken mit ihren tiefgefrorenen Massenprodukten machen es f\u00fcr die kleinen Familienbetriebe schwierig zu bestehen.<\/p>\n<p>Dennoch blickt die Familie zuversichtlich nach vorn. Denn trotz fortschreitender Technisierung und Industrialisierung auf dem B\u00e4ckereisektor wird eines g\u00fcltig bleiben:<\/p>\n<p>das handwerkliche K\u00f6nnen und das pers\u00f6nliche Engagement des Unternehmers.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Foto.Mitarbeiter-aktuell.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-8950\" title=\"Foto.Mitarbeiter aktuell\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Foto.Mitarbeiter-aktuell-300x150.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Foto.Mitarbeiter-aktuell-300x150.jpg 300w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Foto.Mitarbeiter-aktuell.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das 100j\u00e4hrige Bestehen eines Betriebes \u2013 zumal eines Handwerksbetriebes im l\u00e4ndlichen Raum &#8211; regt an, R\u00fcckschau zu halten. 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