{"id":29165,"date":"2020-06-04T17:06:26","date_gmt":"2020-06-04T15:06:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/?p=29165"},"modified":"2020-06-04T17:07:46","modified_gmt":"2020-06-04T15:07:46","slug":"die-letzten-kriegstage-in-soegel-die-zeitzeugen-hans-grote-und-theo-gerdes-berichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/2020\/06\/die-letzten-kriegstage-in-soegel-die-zeitzeugen-hans-grote-und-theo-gerdes-berichten\/","title":{"rendered":"Die letzten Kriegstage in S\u00f6gel &#8211; Die Zeitzeugen Hans Grote und Theo Gerdes berichten"},"content":{"rendered":"\n<p>Als sich die letzten Tage des zweiten Weltkrieges n\u00e4herten, wurde das Emsland und teilweise auch die Orte unserer Samtgemeinde&nbsp; hart von den Kriegseinwirkungen getroffen. Mehrere Publikationen stellen das Geschehen dar, weitgehend \u00fcbereinstimmend, aber auch mit unterschiedlichen Angaben oder Interpretationen<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Heft betrachtet in einem zweiteiligen Bericht die Ereignisse in S\u00f6gel ab dem 8. April 1945 und berichtet von den Erinnerungen der beiden Zeitzeugen Hans Grote und Theo Gerdes. An dem Gespr\u00e4ch, das auf Initiative unseres Redaktionsleiter Heiner Wellenbrock stattfand, nahm auch der Vorsitzende des Forums S\u00f6gel e.V., Bernd Eggert teil. Eggert hat sich unter anderem intensiv mit Archivunterlagen auch aus den Best\u00e4nden der kanadischen Armee besch\u00e4ftigt und seine Erkenntnisse in dem Buch \u201eWie war es wirklich? April 1945. Kriegstage in S\u00f6gel und der Region\u201c niedergeschrieben. Dadurch konnte die Zeitzeugenberichte, die immer auch pers\u00f6nliche Eindr\u00fccke wiedergeben, mit Fakten unterlegt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits 2007 hatten neben Hans Grote und Theo Gerdes auch Grete Borgmann \u00fcber ihre zum Teil schrecklichen Erlebnisse im Rahmen eines Informationsabends des Heimatvereins S\u00f6gel berichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir beginnen mit den Erinnerungen von Hans Grote, der<\/p>\n\n\n\n<p>als Achtj\u00e4hriger am 8. April 1945 zusammen mit den Jungen und M\u00e4dchen der Jahrg\u00e4nge 1936 und 1937 zur Kommunion kam. W\u00e4hrend S\u00f6gel von den&nbsp; Kriegsereignisse in der Zeit davor weitgehend verschont blieb, begann an diesem Tag eine dramatische Wende. Man erwartete, dass die Gemeinde bald von den Kriegshandlungen betroffen sein w\u00fcrde. \u201eWir h\u00f6rten, dass in &nbsp;Lathen bereits schwere K\u00e4mpfe zwischen deutschen und kanadischen Truppen stattfanden\u201c, sagte Grote. Daher sei die verk\u00fcrzte und einfach gehaltene Kommunionfeier in der Pfarrkirche fr\u00fchmorgens angesetzt worden. In der Kirche habe kein Licht gebrannt, lediglich ein paar Kerzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nachmittags ab etwa 17 Uhr der Bombenangriff auf S\u00f6gel geflogen worden sei, habe man sich in einfachen Erdl\u00f6chern im Garten sch\u00fctzen wollen. Diese waren mit Brettern und Sand abgedeckt worden, um vor Splitter zu sch\u00fctzen. Da die Erdl\u00f6cher schnell belegt waren, wurde Grote aufgefordert, sich platt auf den Boden im Garten hinzulegen. Dabei konnte er beobachten, wie die englischen Flieger auf S\u00f6gel zuflogen und ihre Bomben ausklinkten. Da die Familie Grote weiter im Westen der Gemeinde wohnte und die Bombardierungen im \u00f6stlichen Gemeinteil im Umfeld der S\u00fcdstra\u00dfe stattfand, \u00fcberstand die Familie diesen Angriff unbeschadet.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kam der Befehl, es ist nicht bekannt von wem, sofort die H\u00e4user zu verlassen und Schutz in den W\u00e4ldern der Umgebung zu suchen. Gerhard Robbers, der Gro\u00dfvater m\u00fctterlicherseits, besa\u00df eine Jagdh\u00fctte im Hedwigswald zwischen&nbsp; S\u00f6gel und Werpeloh. Auf dem Weg zu Robbers, die mitten im Ort&nbsp; an der sogenannten \u201eStra\u00dfe der SA\u201c wohnte, kamen der Familie zahlreiche Helfer mit Schwerverletzten aus den von den Bomben getroffene Ortsteilen entgegen, die zum Krankenhaus gebracht werden sollten. Auch Tote auf Bahren wurde weggetragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Loruper Weg, der zu dem sch\u00fctzenden Versteck im Wald f\u00fchrte, herrschte ein \u201eGewimmel\u201c, so Grote, denn fast alle Gemeindemitglieder waren unterwegs . Die betagten Gro\u00dfeltern aus dem Hause Grote wollten die Strapaze nicht mehr auf sich nehmen und blieben zuhause. Oma Robbers, die schwer gehbehindert war, wurde vom Nachbarn Hans Bartels mit dem Auto zur H\u00fctte gefahren.&nbsp; Die Jagdh\u00fctte bot nicht allen 20 \u2013 30 Gefl\u00fcchteten aus der Verwandtschaft Unterkunft. Hans musste drau\u00dfen bleiben und wurde von seiner Mutter mit einem gro\u00dfen Schal und einem Fuchsfell gegen die n\u00e4chtliche K\u00e4lte gesch\u00fctzt. Alle wurden angewiesen sich, sich hinzuzulegen, um nicht von Maschinengewehrsalven, die zeitweise \u00fcber die H\u00fctte hinwegflogen, getroffen zu werden. Das alle letztlich gro\u00dfes Gl\u00fcck gehabt haben, zeigte sich am n\u00e4chsten Tag, als die H\u00fctte durch ein Geschoss v\u00f6llig zerst\u00f6rt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits am folgenden Montag, dem 9. April, wurden alle wieder nach Hause geschickt. An diesem Tag r\u00fcckten die kanadischen Truppen von Lathen kommend in S\u00f6gel ein. Beim Krankenhaus standen bereits mehrere gepanzerte Radfahrzeuge. Die Sorge um die zuhause gebliebenen&nbsp; Gro\u00dfeltern war unbegr\u00fcndet, wie sich Grote schmunzelnd&nbsp; erinnert. Opa hatte bereits Kontakt zu den Soldaten aufgenommen und diese mit einem guten Tropfen bek\u00f6stigt. Man habe sich gut verstanden\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Von den weiteren Ereignissen wurden der westliche Bereich von S\u00f6gel&nbsp; weitgehend verschont. Die Kanadier hatten im Bereich der alten Werkstatt von Ahrens und dem Hause Moritz f\u00fcr kurze Zeit ihren Gefechtsstand bezogen, was Bernd Eggert anhand seiner Unterlagen best\u00e4tigen konnte. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Man habe dann in den n\u00e4chsten Tagen mitbekommen, dass vor allem am Nordend zahlreich Sprengungen stattfanden, die zuletzt auch an das Umfeld des Marktplatzes heranreichten. Durch die Explosion des Gesch\u00e4ftshauses Kohnen an der Sigiltrastra\u00dfe flogen unter anderem auch Gesch\u00e4ftsbriefe in die Luft, die im westlichen Ortsteil niedergingen und von den Bewohner aufgesammelt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch das Haus der Gro\u00dfeltern an der Hauptstra\u00dfe wurden ein Schutt und Asche gelegt, das Nachbarhaus des Schusters Geers allerdings nur gesprengt und nicht in Brand gesteckt. Robbers Jagdhund stand auf dem Schuttberg, nur so konnte man erahnen, wo das Haus mal gestanden hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Soweit\u00a0 die pers\u00f6nliche Erlebnisse von Hans Grote. Auf Hintergr\u00fcnde der Sprengungen und Gr\u00fcnde f\u00fcr deren Einstellung sowie die Erlebnisse des damals dreizehnj\u00e4hrigen Zeitzeugen Theo Gerdes, die vor allem die Ereignisse im Nordend von S\u00f6gel betreffen, gehen wir in unserer n\u00e4chsten Ausgabe ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtige Hintergr\u00fcnde erkl\u00e4rt das von Bernd Eggert geschriebene Buch.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"560\" height=\"676\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Eggert.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-29166\" srcset=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Eggert.jpg 560w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Eggert-249x300.jpg 249w\" sizes=\"auto, (max-width: 560px) 100vw, 560px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Text\/Foto\/Repro: LB<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/01_IMG_1464-1024x768.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-29167\" width=\"556\" height=\"418\" srcset=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/01_IMG_1464-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/01_IMG_1464-300x225.jpeg 300w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/01_IMG_1464-768x576.jpeg 768w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/01_IMG_1464-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/01_IMG_1464-2048x1536.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 556px) 100vw, 556px\" \/><figcaption>Hans Grote berichtet als Zeitzeuge in unserem ersten Teil von den letzten Kriegstagen in S\u00f6gel.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/02_IMG_1467-scaled-e1591283233945-1024x768.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-29168\" srcset=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/02_IMG_1467-scaled-e1591283233945-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/02_IMG_1467-scaled-e1591283233945-300x225.jpeg 300w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/02_IMG_1467-scaled-e1591283233945-768x576.jpeg 768w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/02_IMG_1467-scaled-e1591283233945-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/02_IMG_1467-scaled-e1591283233945-2048x1536.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Auf dem Klassenfoto aus dem Jahre 1948 ist Hans Grote (zweite Reihe von oben, Dritter von links) zusammen mit seinen Schulkameraden zu sehen. Ins Bild lief der damals vierj\u00e4hrige Lehrersohn und heutige Redaktionsleiter unseres Heftes, Heiner Wellenbrock (unten Bildmitte)<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als sich die letzten Tage des zweiten Weltkrieges n\u00e4herten, wurde das Emsland und teilweise auch die Orte unserer Samtgemeinde&nbsp; hart von den Kriegseinwirkungen getroffen. Mehrere Publikationen stellen das Geschehen dar, weitgehend \u00fcbereinstimmend, aber auch mit unterschiedlichen Angaben oder Interpretationen Unser Heft betrachtet in einem zweiteiligen Bericht die Ereignisse in S\u00f6gel ab dem 8. 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