{"id":28868,"date":"2020-05-01T10:13:00","date_gmt":"2020-05-01T08:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/?p=28868"},"modified":"2020-04-28T10:28:16","modified_gmt":"2020-04-28T08:28:16","slug":"johann-bernhard-hensen-theodor-heinrich-hinrichs-und-die-soegeler-st-jakobuskirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/2020\/05\/johann-bernhard-hensen-theodor-heinrich-hinrichs-und-die-soegeler-st-jakobuskirche\/","title":{"rendered":"Johann Bernhard Hensen, Theodor Heinrich Hinrichs und die S\u00f6geler St. Jakobuskirche"},"content":{"rendered":"\n<p>S\u00f6gel &#8211; Seit dem Fr\u00fchjahr erstrahlt die St. Jakobuskirche zu S\u00f6gel nach umfassenden Renovierungsarbeiten in neuem Glanz. Am 1. M\u00e4rz 2020 wurde sie in festlichem Rahmen wiederer\u00f6ffnet (s. Bericht in der Aprilausgabe der IfS). Ein neuer H\u00f6hepunkt wird dann das kommende 150j\u00e4hrige Kirchweihjubil\u00e4um am 21. Juni 2021 sein.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Hensen-Denkmal.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Hensen-Denkmal.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-28869\" width=\"157\" height=\"251\" srcset=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Hensen-Denkmal.jpg 289w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Hensen-Denkmal-188x300.jpg 188w\" sizes=\"auto, (max-width: 157px) 100vw, 157px\" \/><\/a><figcaption>Foto: Gisela Arling<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Viele Gedanken werden in diesem Zusammenhang zur\u00fcckgehen in die Anf\u00e4nge der Baugeschichte der heutigen St. Jakobuskirche. \u00dcber die Person des Baumeisters, Johann Bernhard Hensen (* 5. September 1828 in S\u00f6gel; \u2020 16. Januar 1870 in Osnabr\u00fcck), gibt es viele Berichte, so noch in der Emszeitung am 13.1.2020 aus Anlass des 150. Todestages des mit 41 Jahren allzu fr\u00fch verstorbenen Kirchenbauers, w\u00e4hrend der ebenfalls aus S\u00f6gel stammende Kirchenmaler Hinrichs kaum bekannt ist. Daher m\u00f6chte ich, soweit die Quellenlage es erm\u00f6glicht, Th. H. Hinrichs etwas st\u00e4rker in das Zentrum des Beitrags stellen.<\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"126\" height=\"201\" src=\"\">Doch zun\u00e4chst einige Anmerkungen zu J. B. Hensen, der in der Zeitung zu Recht als eine der \u201ebedeutendste[n] Pers\u00f6nlichkeiten des H\u00fcmmlings\u201c bezeichnet wird. Sein beruflicher Werdegang ist beeindruckend. Aus einfachen Verh\u00e4ltnissen stammend hat Hensen mit leidenschaftlicher Energie und Flei\u00df seinen Lebensweg beschritten. Nach solider handwerklicher Ausbildung im \u00f6rtlichen Bereich und der Meisterpr\u00fcfung beim Amt Hasel\u00fcnne erweckte sein Entwurf des Kirchenneubaus in Wachtum die Aufmerksamkeit der bisch\u00f6flichen Beh\u00f6rde in M\u00fcnster. Sein besonderer F\u00f6rderer wurde der damalige Bischof von M\u00fcnster Johann Georg M\u00fcller, der ihm ein Studium an der Polytechnischen Hochschule in Hannover erm\u00f6glichte. Eine rege T\u00e4tigkeit als Architekt, Kirchen- und Dombaumeister folgte in dem ihm noch verbleibenden Jahrzehnt. Einer der von ihm entworfenen und dann bis zu seinem fr\u00fchen Tod im Januar 1870 begleiteten Kirchenbauten war der Neubau der S\u00f6geler St. Jakobuskirche, deren Grundstein 1867 gelegt und die dann am 21. Juni 1871 eingeweiht wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Hensen konnte die Einweihung zwar selbst nicht mehr miterleben, aber mit dem Denkmal, das ihm die Gemeinde im September 2002 an der Ecke Wahner Stra\u00dfe \/ Amtsstra\u00dfe gesetzt hat, hat er \u201eseine\u201c Kirche immer vor Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vollendung des Kirchenbaus stand indes unter keinem g\u00fcnstigen Stern. Am 28.12.1868 wurde der gerade errichtete Kirchturm durch einen schweren Sturm umgerissen und auf das L\u00e4ngsschiffgew\u00f6lbe geworfen. Das folgende Jahr 1869 verging mit der Untersuchung des Ungl\u00fccks und dem Auftreiben der n\u00f6tigen neuen Geldmittel f\u00fcr die Reparaturen. Erst 1870 wurde das Werk weitergef\u00fchrt. Nach dem Tod von Johann Bernhard Hensen am 16. Januar 1870 \u00fcbernahm sein Bruder Hermann die Bauausf\u00fchrung.<\/p>\n\n\n\n<p>Foto: Gisela Arling<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Vollendung des Baus ging es an die Ausgestaltung der neuen Kirche. Eine Vielzahl von Einrichtungsgegenst\u00e4nden fehlten, mussten erg\u00e4nzt werden bzw. wurden noch angeschafft: Teile des Hochaltars, das Tabernakel, die Kommunionbank, die Chorst\u00fchle, Altarleuchter (die Beleuchtung erfolgte mit Kerzen bzw. mit Petroleum; erst 1915 gab es eine elektrische Beleuchtung), Beichtst\u00fchle, Seitenalt\u00e4re, Kronleuchter, eine Kanzel, Mess- und Chorgew\u00e4nder und 1887 schlie\u00dflich eine neue Orgel.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Fiedeldey-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Fiedeldey-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-28871\" width=\"183\" height=\"270\" srcset=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Fiedeldey-1.jpg 439w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Fiedeldey-1-204x300.jpg 204w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"192\" height=\"282\" src=\"\">Die Vielzahl der Aufgaben &#8211; dazu kam auch die Gestaltung der Au\u00dfenanlage der Kirche und au\u00dferdem immer wieder n\u00f6tige Nachbesserungen des Au\u00dfenbaus &#8211; hatten wohl l\u00e4ngere Zeit den Blick auf eine ansprechende innere (bunte) Ausmalung des Sakralraums verstellt. Mit dem neuen Pfarrer, Werner Fiedeldey (1895 \u2013 1907 Pfarrer in S\u00f6gel), ging es auch an diese Aufgabe. Der Pastor hatte, wie es nicht selten vorkam \u2013 das merkt Franz Groteschulte in seiner 1991 herausgegebenen Schrift zur Orts- und Kirchengeschichte S\u00f6gels an &#8211; eine gr\u00f6\u00dfere Summe Geldes von einer nicht namentlich genannten Person als Schenkung erhalten, die der Pfarrer f\u00fcr die Dekoration der Kirche einzusetzen gedachte, m\u00f6glicherweise war sie auch zweckbestimmt. Bis dato hatte das Kircheninnere nur einen schlichten wei\u00dfen Anstrich. In der Sitzung des Kirchenvorstandes der St. Jakobuskirche vom 21.10.1897 wurde beschlossen, dass dieses Gremium f\u00fcr die Herstellung des Ger\u00fcsts und die Absegnung des Entwurfs zust\u00e4ndig sein sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Beauftragt mit den Planungen und entsprechendem Entwurf wurde Theodor Heinrich Hinrichs. Die folgenden Ausf\u00fchrungen sollen sich mit dieser Person n\u00e4her befassen, die in der Biographie Vergleichbares mit der des Baumeisters Hensen aufweist.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinrichs im Alter von 60 Jahren (1927)<\/p>\n\n\n\n<p>Im S\u00f6geler Kirchenbuch des Jahrgangs 1867 finden wir eine erste Information zu Hinrichs: Theodor Heinrich Hinrichs wurde am 21. Januar 1867 nachmittags drei Uhr geboren. Seine Eltern waren der Eigner<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Bernard Hinrichs und Ehefrau Margarethe, geborene Marschall. Einen Tag sp\u00e4ter wurde der Junge vom Pastor Altmeppen getauft. Die Taufzeugen waren Theodor Marschall, Eigner in S\u00f6gel, und dessen Ehefrau Margarethe, geborene Hinrichs.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Brief an den S\u00f6geler Pastor Fiedeldey vom 10. Januar 1898 berichtet der 30j\u00e4hrige Hinrichs \u00fcber einen Besuch beim Osnabr\u00fccker Bischof Bernhard H\u00f6ting. Hinrichs stellt sich \u2013 so schreibt er &#8211; zun\u00e4chst beim Bischof vor:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDass ich ein S\u00f6geler Kind sei, seit 10 Jahren in Leipzig, davon die letzten 6 Jahre in Leipzig selbst\u00e4ndig. [\u2026] Von 1881 \u2013 1885 bei H. Steinbild in S\u00f6gel gelernt, danach in M\u00fcnster 1 Jahr bei Kirchenmaler Brinkmann, hierauf in der Schweiz, dann einen Winter nach Italien, wegen 3 Monate in Rom im Campo Santo<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> besch\u00e4ftigt; hatte auch das Gl\u00fcck gehabt, den hl. Vater [<em>Leo XIII.<\/em>] am 6. Februar 1887 zu sehen, welches ich durch ein Zeugnis Ihnen zeigen konnte. Von dort aus \u00fcber Loreto, Venedig nach M\u00fcnchen, wo ich 1\u00bd Jahr teils auf der Schule, teils im ersten Gesch\u00e4ft bei Hofmaler Schultze besch\u00e4ftigt war. Von hier aus, als die Kunstgewerbe-Ausstellung 1888 im April er\u00f6ffnet war, machte ich nach Wien, Prag, Dresden u. Leipzig. In Leipzig hatte ich einen guten Freund von M\u00fcnchen aus, mit dem ich nach Berlin wollte. Der Freund war in einem sch\u00f6nen Gesch\u00e4ft und hatte noch keine rechte Lust mit nach Berlin zu machen, bewog mich dann dazu, dass ich auch dablieb. Ich erhielt eine gute Stelle bei Georg Stra\u00dfer, geborenem M\u00fcnchener, beim Hofmaler Schudt, geborenem Frankfurter a\/M., und Richard Schulz. Bei letzterem lernte ich einen Glaubensgenossen kennen, sehr gut katholisch, geborener W\u00fcrtenberger aus Stuttgart, namens Gustav Kohnle. Wir wurden durch den Gesellen-Verein enge Freunde. Hier lernte uns auch die Geistlichkeit kennen.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Zeit wurde hier in Leipzig eine 2. kath. Kirche gebaut. F\u00fcr die Ausmalung derselben bewarben wir uns, sandten bei der Kirchenbau-Verwaltung eine Skizze nebst Kostenanschlag ein, worauf uns die Arbeit \u00fcbertragen wurde. Es lernten uns durch die Arbeit mehrere Architekten kennen und wir bekamen auch die Arbeit in der neuen protestantischen Kreutz-Kirche Leipzig-Neustadt, auch in Leipzig-Volkmarsdorf machten wir die Probe mit Professor Schaper aus Hannover. Danach die kath. Kirche in Altenburg, Grimma, Deuben bei Dresden, Markranst\u00e4dt bei Leipzig.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich legte hierauf dem Hochw. Herrn Bischof die Zeugnisse von den Kirchen, die wir gemacht hatten, vor, wor\u00fcber der Hohe Herr sich gefreut hat. Er frug mich, ob denn ich willens sei in der Di\u00f6zese zu bleiben, welches ich nicht versprechen konnte, wohl aber h\u00e4tte ich Lust dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob ich auch schon einen Plan gemacht h\u00e4tte. Auf eigene Veranlassung h\u00e4tte ich einen gemacht, ich sollte aber noch einen machen, den der Hochw. Herr Pfarrer seiner bisch\u00f6flichen Gnaden vorlegen w\u00fcrde, zugleich mit Kostenanschlag.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen Worten frug er auch gleich, was ungef\u00e4hr die Ausmalung kosten w\u00fcrde, worauf ich dann 7500 bis 8000 Mark sagte [<em>nach Kaufkraftberechnungen der Bundesbank vom Januar 2020 ca. 55.000 \u20ac<\/em>]. Nach einem kurzen Nachdenken erwiderte der Hohe Herr, dass es eine gro\u00dfe Kirche sei und wenig Platz f\u00fcr fig\u00fcrliche Sachen. Ich erz\u00e4hlte, dass der Wunsch des Herrn Pfarrer eine recht ruhige Farbenstimmung mit Gott sei; womit der Hochw. Herr einverstanden war. [\u2026]\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>[in Grammatik und Satzbau leicht angepasst<\/em>].<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischenzeitlich hatte es f\u00fcr Hinrichs bei der Auftragsplanung eine Komplikation gegeben. Der S\u00f6geler Kirchenvorstand w\u00fcnschte, dass alle S\u00f6geler Maler(meister) bei den Arbeiten einen Beitrag leisteten. Hinrichs war mit diesem Vorgehen einverstanden und hatte mit den entsprechenden Personen Kontakt aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Brief vom 18. Februar 1898 an Pastor Fiedeldey musste Hinrichs aber bekennen, dass der Wunsch des Kirchenvorstandes und seine eigenen diesbez\u00fcglichen Bem\u00fchungen das Konkurrenzdenken der Beteiligten wohl etwas untersch\u00e4tzte.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinrichs hatte n\u00e4mlich den angesprochenen Malern den Vorschlag gemacht, es solle in einem Buche die Arbeitszeit eines jeden eingetragen und nach Vollendung der Arbeit unter den Meistern abgerechnet werden; denn jeder der angesprochenen Maler habe noch gleichzeitig sein eigenes Gesch\u00e4ft zu versorgen und es sei so dem einzelnen nicht m\u00f6glich, jeden Tag in der Kirche zu arbeiten. W\u00e4hrend der eine Meister damit einverstanden war, ein zweiter ebenfalls zustimmte unter der Bedingung, dass sein Sohn mitarbeiten k\u00f6nne, lehnte der dritte eine Zusammenarbeit mit den anderen rundweg ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon war eine Konfliktsituation entstanden, die von Hinrichs, der dazu auch noch mit einem der Malermeister verwandt war, nicht mehr gel\u00f6st werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher bat er den Pfarrer, zusammen mit dem anonymen Spender zu vermitteln und eine Entscheidung zu treffen, wer aus S\u00f6gel beteiligt werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 20. M\u00e4rz 1898 erteilte der Bischof dem S\u00f6geler Kirchenvorstand die von diesem beantragte Genehmigung:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn Erwiderung auf die Eingabe vom 14.\/15. des Monats will ich hiedurch die Ausf\u00fchrung der hieneben wieder angeschlossenen Entw\u00fcrfe des Malers H. Hinrichs zu Leipzig f\u00fcr die Dekoration der dortigen Pfarrkirche hiedurch genehmigen, indem ich voraussetze, da\u00df die entstehenden Kosten durch freiwillige Beitr\u00e4ge aufgebracht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bischof<\/p>\n\n\n\n<p>+Bernard (H\u00f6ting)\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Offensichtlich zieht sich der Beginn der Arbeiten wegen der internen Konflikte in S\u00f6gel noch einige Monate hin, denn erst im September 1898 regelte ein detaillierter Vertrag die Ausf\u00fchrung der Ausmalung:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eZwischen dem Pfarrer W(erner) Fiedeldey in S\u00f6gel einerseits und den beiden Dekorationsmalern Herrn H. Hinrichs aus Leipzig (Firma Kohnle und Hinrichs) und Herrn Theodor Steinbild in S\u00f6gel andrerseits ist heute folgender Vertrag gemacht worden.<\/p>\n\n\n\n<p>1. Der Pfarrer W. Fiedeldey will die Pfarrkirche in S\u00f6gel auf Grundlage des vom Herrn Hinrichs verfertigten Entwurfs im Inneren dekorieren lassen. Er beh\u00e4lt sich das Recht vor, w\u00e4hrend der Ausf\u00fchrung zu bestimmen, wie ein anderer Farbenton, als wie er im Entwurf ist, genommen und wie Dekorations-F\u00fcllungen, welche im Entwurf nicht vorgesehen sind, angebracht werden sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Diese Dekoration \u00fcbergiebt er den beiden oben genannten Herrn, welche sie annehmen und sich verpflichten, dieselbe, soweit es m\u00f6glich ist, in ununterbrochener Arbeit gemeinsam auszuf\u00fchren. Herr Hinrichs hat jedoch die Oberleitung des ganzen Werks. Die Geh\u00fclfen arbeiten unter der Leitung der beiden Meister.<\/p>\n\n\n\n<p>3. \u00dcber die Arbeitszeit sowohl der Meister als der Geh\u00fclfen wird genau Buch gef\u00fchrt und zwar von ihnen selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>4. Die zur Arbeit erforderlichen Materialien, wie Pinsel, Farben etc. werden von den beiden Herrn Annehmern gemeinsam geliefert und vom Herrn Hinrichs besorgt.<\/p>\n\n\n\n<p>5. F\u00fcr die Vollendung des Werks zahlt der Pfarrer W. Fiedeldey acht tausend (8000) Mark. Von dieser Summe fallen dem Herrn Hinrichs f\u00fcr seine Oberleitung und gr\u00f6\u00dfere Verantwortung 10% und f\u00fcr die Zeichnung 5% zu, das ist die Summe von zw\u00f6lfhundert (1200) Mark.<\/p>\n\n\n\n<p>Was dann nach Abzug des ganzen Geh\u00fclfenlohnes und der f\u00fcr die Materialien gemachten Auslagen \u00fcbrig ist, geh\u00f6rt den beiden Meistern. Diese theilen sich darin nach der Anzahl der Tage, die sie an dem Werke gearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n<p>6. Die Verantwortung f\u00fcr die Sicherheit des Ger\u00fcsts sowie die Haftbarkeit f\u00fcr etwaige Ungl\u00fccksf\u00e4lle der Geh\u00fclfen \u00fcbernehmen die beiden Meister Hinrichs und Steinbild.<\/p>\n\n\n\n<p>S\u00f6gel 13. September 1898<\/p>\n\n\n\n<p>W. Fiedeldey Pfarrer<\/p>\n\n\n\n<p>Heinrich Hinrichs<\/p>\n\n\n\n<p>Theodor Steinbild<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Hinrichs-Steinbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Hinrichs-Steinbild.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-28872\" width=\"528\" height=\"564\" srcset=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Hinrichs-Steinbild.jpg 784w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Hinrichs-Steinbild-281x300.jpg 281w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Hinrichs-Steinbild-768x820.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 528px) 100vw, 528px\" \/><\/a><figcaption>Hinrichs 3. von links, Steinbild 4. von rechts<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Farbgebung in der Ausmalung der Kirche l\u00e4sst sich anhand der vorhandenen Schwarz-Wei\u00df-Bilder nur erahnen. Gleichwohl zeigt die verschwenderische Ornamentik an den W\u00e4nden, den Pfeilern, den Gew\u00f6lben und im Chorraum, die Elemente des Jugendstils erkennen lassen, den Gestaltungswillen des jungen K\u00fcnstlers.<\/p>\n\n\n\n<p>Unklar bleibt in den vorhandenen Quellen, wie lange die Arbeiten dauerten. Zu vermuten ist, dass sie wohl im Jahr 1899 abgeschlossen wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinrichs hat in den drei\u00dfiger Jahren noch eine weitere Kirche in unmittelbarer Nachbarschaft von S\u00f6gel ausgemalt: die als \u201eDom des H\u00fcmmlings\u201c bezeichnete Kirche zu (Alt-)Wahn.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Brosch\u00fcre \u201eWahn, use olde Heimat\u201c hei\u00dft es: \u201eDie Ausmalung wurde dem aus S\u00f6gel stammenden Kirchenmaler Heinrich Hinrichs aus Leipzig nach dem vorgelegten Kostenanschlage f\u00fcr die Gesamtsumme von 5750 Mark \u00fcbertragen. Dieser bewies gro\u00dfe Erfahrung und starkes Einf\u00fchlen in die so verschiedenartigen Lichtwirkungen, so dass er ein Werk vollbrachte, das den Meister ehrt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Theodor Heinrich Hinrichs starb am 18. November 1942 in Leipzig.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Innenansicht.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Innenansicht-1024x682.jpg\" alt=\"Ein Bild, das Foto, Geb\u00e4ude, wei\u00df, schwarz enth\u00e4lt.\n\nAutomatisch generierte Beschreibung\" class=\"wp-image-28873\" srcset=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Innenansicht-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Innenansicht-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Innenansicht-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Innenansicht.jpg 1145w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>Innenansicht der S\u00f6geler Kirche (noch mit Kanzel und Kommunionbank) mit der Ausmalung von Hinrichs und Steinbild aus dem Jahr 1926<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Chorraum.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"678\" height=\"858\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Chorraum.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-28874\" srcset=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Chorraum.jpg 678w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Chorraum-237x300.jpg 237w\" sizes=\"auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px\" \/><\/a><figcaption>Chorraum mit Hochaltar<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Schwarz-Wei\u00df-Bilder: Archiv der Gemeinde S\u00f6gel<\/p>\n\n\n\n<p>Originale des Briefwechsels Hinrichs \u2013 Fiedeldey, H\u00f6ting \u2013 Kirchenvorstand und Vertrag Fiedeldey \u2013 Hinrichs \u2013 Steinbild im Archiv der Gemeinde S\u00f6gel<\/p>\n\n\n\n<p>Text: Eckhard Bredohl<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> ein Eig(e)ner f\u00fchrte einen kleinen b\u00e4uerlichen Betrieb<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Campo Santo Teutonico, der sog. deutsche Friedhof und die zugeh\u00f6rigen Geb\u00e4ude in Rom<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"S\u00f6gel &#8211; Seit dem Fr\u00fchjahr erstrahlt die St. Jakobuskirche zu S\u00f6gel nach umfassenden Renovierungsarbeiten in neuem Glanz. 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