{"id":28140,"date":"2019-12-01T15:28:00","date_gmt":"2019-12-01T14:28:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/?p=28140"},"modified":"2019-12-01T15:28:01","modified_gmt":"2019-12-01T14:28:01","slug":"kulturkreis-clemenswerth-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/2019\/12\/kulturkreis-clemenswerth-5\/","title":{"rendered":"Kulturkreis Clemenswerth"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Fabian. Der Gang vor\ndie Hunde<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am 2. November war es wieder soweit, mit\n\u201eFabian. Der Gang vor die Hunde\u201c begann der Kulturkreis Clemenswerth die\ndiesj\u00e4hrige Theatersaison und lockte damit sowohl Sch\u00fcler als auch spontane\nBesucher in die Aula des H\u00fcmmling Gymnasiums.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Landesb\u00fchne Niedersachsen Nord hatte das\nSt\u00fcck innerhalb eines Jahres f\u00fcr die B\u00fchne adaptiert, der Abend versprach also\nerfrischend neu und aufgrund der Thematik auch am\u00fcsant und tiefgr\u00fcndig zu\nwerden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Berlin der \u201ewilden\u201c 20er Jahre\nist Fabians (Robert Zimmermann) Umgebung, im Caf\u00e9 liest er die Schlagzeilen des\nTages: Katastrophen, Mord und Krieg. Um der unerfreulichen Realit\u00e4t zu\nentfliehen, gibt er sich den schillernden Lichtern und dem scheinbar\nleichtfertigen, pulsierenden Nachtleben hin, auch wenn er es in viererlei\nHinsicht als zu exzessiv erkennt. Mit Cornelia (Leontine Vaterodt) scheint sich\ndas Blatt zu wenden. Endlich eine ernste Beziehung anstelle der zynischen\nGef\u00fchle, die er Frauen sonst entgegenbringt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Leider bleibt ihm das Gl\u00fcck nicht\nhold: Am n\u00e4chsten Tag verliert er seinen Job, sein bester Freund begeht\nSelbstmord und Fabian verf\u00e4llt ins Gr\u00fcbeln, wodurch er seine Freundin\nverliert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Er kehrt zur\u00fcck ins n\u00e4chtliche\nBerlin und versucht, seine Sinnkrise durch exzessive sexuelle Ausschweifungen\nvergessen zu machen. Das misslingt jedoch gr\u00fcndlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Fabian wird bewusst, dass er sich\nselbst in den funkelnden Lichtern der Stadt verliert, und dass er sich der\nsinnentleerten Oberfl\u00e4chlichkeit der modernen Gro\u00dfstadt hilflos ausliefert. Er\nkehrt zu seiner Mutter aufs Land zur\u00fcck. Er m\u00f6chte dem Zynismus den R\u00fccken\nkehren und ein besserer Mensch werden, leider stirbt er bei dem Versuch, ein\nKind aus einem Fluss zu retten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00e4stners \u201eFabian\u201c wurde 1931-\nzensiert und \u00fcberarbeitet &#8211; ver\u00f6ffentlicht, es wurde f\u00fcr zu anz\u00fcglich befunden.\nErst 2013 erschien das Originalmanuskript \u201eDer Gang vor die Hunde\u201c, welches die\nzotige Sprache und s\u00e4mtliche anz\u00fcglichen Handlungen des Originalmanuskripts\nwieder zur\u00fcck erhielt. Die Schauspieler der Landesb\u00fchne Niedersachen Nord sehen\nsich in der Pflicht, die Atmosph\u00e4re der Originalfassung auf die B\u00fchne zu\ntransferieren, was ihnen dank der Regie von Tim Egloff mit Leichtigkeit und\nWitz gelingt. Dem S\u00f6geler Publikum &#8211; bemerkenswerter Weise wohl vor allem den\nJ\u00fcngeren &#8211; schien dieses Spiel schon fast peinlich zu sein, wie diverse\nGespr\u00e4chsfetzen aus dem Foyer verrieten &#8211; genau das h\u00e4tte K\u00e4stner sicherlich\ngefallen. Zu realistisch ist die Darstellung, zu deutlich wird, es hat sich\neigentlich nichts ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn fast 90 Jahre zwischen Urfassung\nund aktueller Inszenierung liegen, zeigt sich, dass die beklemmende Freiheit\nvon moralischen Werten, das uners\u00e4ttliche Streben nach unbedingter und\nsofortiger Befriedigung eigener Bed\u00fcrfnisse und Beliebigkeit ethischer Konsensf\u00e4higkeit\nin der modernen urbanen Gesellschaft an Aktualit\u00e4t nichts eingeb\u00fc\u00dft hat. Durch\ndie moderne Sprache f\u00fchlt man sich fast schon schmerzhaft an den eigenen Alltag\nerinnert. Einige Zuschauer konnten damit wohl nur schwer umgehen, wie die geleerten\nReihen nach der Pause zeigten. Auch die Sch\u00fcler waren aufgew\u00fchlt, denn unter\nTheater hatte man sich doch etwas ganz anderes vorgestellt, und das \u201eder\nKinderbuch-K\u00e4stner\u201c so geschrieben haben sollte\u2026nun ja, man darf eben niemanden\nzu schnell in Schubladen stecken. Noch mehr bewegt allerdings die Geschichte um\nFabian. War er zu optimistisch? Wo genau liegt der Fehler, wenn man sich nicht\nmit dem zufrieden gibt, was der Alltag bietet? Wahrscheinlich wird das St\u00fcck\nnoch lange nachwirken und hoffentlich bis zum Abitur verdaut sein. Die\nDarsteller hatten sich den langanhaltenden Applaus auf jeden Fall mehr als\nverdient!<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Kleiner Adler ganz gro\u00df<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am 11.11. 2019 lud der Kulturkreis\nClemenswerth zur ersten Kindertheaterveranstaltung der Saison nach Werlte in\nden St.-Sixtus-Kindergarten. Das Puppentheater \u201eDie roten Finger\u201c warb mit dem\nmusikalischen Theatererlebnis \u201eKleiner Adler ganz gro\u00df\u201c, und die Turnhalle des\nKindergartens war erwartungsgem\u00e4\u00df bis zum letzten Platz gef\u00fcllt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Indianerjunge Kleiner Adler m\u00f6chte\nerwachsen werden und muss daf\u00fcr seinen Mut beweisen: Eine Nacht und einen Tag\nlang muss er fernab seines Stammes zurechtkommen.\nObwohl seine Freundin Regenbogenm\u00e4dchen ihn ungern gehen l\u00e4sst, sieht kleiner\nAdler den zu erwartenden Komplikationen positiv entgegen, denn Mutter Erde und\nVater Himmel, so ist er sich sicher, werden ihn besch\u00fctzen und leiten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was Kleiner Adler nicht ahnt: Zwei\nwei\u00dfe Jungs, Joe und Willi, streifen ebenfalls durch das Gebiet. Sie wollen dem\nH\u00e4uptling der Indianer die Federn stehlen und sich durch ihre Tat daheim\nprofilieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Leider laufen sie Kleiner Adler\nhinterher, und als die drei aufeinander treffen, zeigen Joe und Willi, wie\nwenig Respekt sie gegen\u00fcber dem fremden Jungen haben. Kleiner Adler verfolgt\njedoch weiter seinem Traum und l\u00e4sst sich von den Jungs nicht aufhalten. Als\nJoe sich jedoch verletzt und der schreckhafte Willi vor einer Schlange flieht,\nzeigt sich die innere Gr\u00f6\u00dfe von Kleiner Adler. Er f\u00fchrt Joe durch das Gewitter\nzu seinem Dorf und k\u00fcmmert sich dort um seine Verletzungen. Aufgrund dieser Tat\ndarf er sich von nun an \u201eGro\u00dfer Adler\u201c nennen und feiert gemeinsam mit den\nbeiden wei\u00dfen Jungs und Regenbogenm\u00e4dchen ein ausgelassenes Indianerfest.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Indianergeschichten sind f\u00fcr Kinder immer\nverbunden mit Abenteuer, Freiheit und Natur. Mit Kleiner Adler begleiten sie\neinen ganz besonderen Jungen auf seiner Reise und werden mit ihm gro\u00df, wobei\ndas Spiel aus der kulturellen Fremdheitserfahrung heraus eine Menge Spannung\nentwickelt. Obwohl die Thematik komplex erscheint, kann das teilweise sehr\njunge Publikum ohne Schwierigkeiten folgen, da kindliche Schl\u00fcsselerfahrungen\neinf\u00fchlsam in den Vordergrund gestellt werden. Zum\nEinen ist da die Reise des Indianerjungen: Ohne seinen Stamm und den\nvermeintlichen Schutz, den die Familie bietet, macht er sich auf und f\u00fchlt sich\ndoch nicht alleine, denn er erkennt Pflanzen und B\u00e4ume als gleichwertige\nLebewesen an und bewegt sich selbstsicher und ohne Zweifel durch fremdes\nGebiet. Zum anderen ist da noch die Rivalit\u00e4t der wei\u00dfen Jungen, die sowohl\nuntereinander als auch Kleiner Adler gegen\u00fcber ein sehr respektloses, manchmal\nsogar gewaltt\u00e4tiges Verhalten an den Tag legen, von jenem jedoch im Gegenzug\nnichts als Freundlichkeit erhalten, sodass sie schlussendlich zur Einsicht\nkommen: zusammen ist besser als gegeneinander. Bernd Lindes Spiel und\nGesang verpacken die Geschichte dabei ganz wunderbar, leicht flie\u00dfen Dialoge\ndahin. Fast meint man, das trockene Moos unter sich zu sp\u00fcren, als der Indianer\nsich sein Lager baut, und der Flug des Adlers wurde so gekonnt pantomimisch\ndargestellt, dass gespanntes Schweigen und aufmerksame Augen zwei schwingende\nFedern verfolgten. Ein St\u00fcck also, das nicht nur den Kopf, sondern auch Herz\nder jungen Zuschauer und Zuschauerinnen bewegte. \u201eDas war ein gro\u00dfartiger\nMorgen!\u201c lautete die Kritik einer hingerissenen kleinen Dame, und auf dem\nHeimweg wurden die Lieder direkt nachgesungen und weitergedichtet. Gerne\nwieder, lieber Kulturkreis Clemenswerth!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Text: Felicitas Ehrhardt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Fabian. Der Gang vor die Hunde Am 2. November war es wieder soweit, mit \u201eFabian. Der Gang vor die Hunde\u201c begann der Kulturkreis Clemenswerth die diesj\u00e4hrige Theatersaison und lockte damit sowohl Sch\u00fcler als auch spontane Besucher in die Aula des H\u00fcmmling Gymnasiums. 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