{"id":26957,"date":"2019-06-01T19:44:34","date_gmt":"2019-06-01T17:44:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/?p=26957"},"modified":"2019-07-01T19:47:59","modified_gmt":"2019-07-01T17:47:59","slug":"vietnam-vom-norden-in-den-sueden-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/2019\/06\/vietnam-vom-norden-in-den-sueden-teil-2\/","title":{"rendered":"Vietnam \u2013 Vom Norden in den S\u00fcden \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>S\u00fcdlich des Wolkenpasses liegt die Hafenstadt Da Nang. Dort sollte man sich das Cham-Museum mit gewaltigen Steinskulpturen des Champa-Reichs nicht entgehen lassen. Diese Indo-Khmerkultur hat einst Zentralvietnam beherrscht. Bei einem Ausflug ins Landesinnere zur Grenze mit Laos vermitteln die Ruinen der alten Tempelstadt My Son einen Eindruck von der einstigen Gr\u00f6\u00dfe des Champa-Reichs. Die St\u00e4tte ist von dichtem Urwald um- und \u00fcberwuchert. Man darf nicht zu Fu\u00df laufen, da das Gebiet mit Blindg\u00e4ngern und Minen aus dem Krieg gespickt ist. Ein klappriger russischer Gel\u00e4ndewagen, der wohl bei den Ausgrabungen gefunden wurde, rumpelt mich vom Eingang mit kleinem Museum zu den freigelegten Tempelruinen. Die gesamte Atmosph\u00e4re mutet grandios und verlassen an. Man kann sich gut vorstellen, dass in dieser Dschungelein\u00f6de einst archaische Riten zelebriert wurden.<\/p>\n<p>Ich kehre in die Jetztzeit zur\u00fcck. Der malerische Ort Hoi An bietet eine quirlige Altstadt entlang einem Kanal. Da in der kommenden Nacht erster Vollmond nach dem Tet-Fest (Neujahr) ist, wurden auf dem Kanal unglaublich bunte Figuren verankert. Die Gassen zieren Lampions f\u00fcr jedes Land der Erde. Ich kreuze mit einer Rikscha durch dieses fern\u00f6stliche Gewimmel.<\/p>\n<p>Dann fliege ich nach Saigon, heute Ho-Chi-Minh-Stadt. Dort empf\u00e4ngt mich tropische Schw\u00fcle und ein uns\u00e4gliches Verkehrschaos. Offensichtlich rattert und stinkt die halbe Welt-Moped Produktion auf Saigons Stra\u00dfen. Der franz\u00f6sische Einfluss dr\u00fcckt sich immer noch in den breiten Alleen, der Hauptpost, dem Bahnhof, der Oper und der Kathedrale aus. Ich besuche die im Vietnamkrieg bekannt gewordenen Hotels Majestic (Ziel von Journalisten sowie Vietcong-Handgranaten) und Rex. In letzterem tue ich mich in der auf dem Dach original erhaltenen Bar um, in der die Amerikaner t\u00e4glich ihre Erfolgsmeldungen und die Zahl der get\u00f6teten Gegner (bodycount!) verk\u00fcndeten, M\u00e4rchenstunde gehei\u00dfen. Ich bummle \u00fcber lebhafte M\u00e4rkte und durch das Chinesenviertel Cholon. Dort reihen sich aneinander kleine Gesch\u00e4fte, Handwerksbetriebe, Restaurants, die bei uns vielleicht als Tierfutterhandlungen durchgingen, und Apotheken mit Medikamenten aus Gruselfilmen.<\/p>\n<p>Mein n\u00e4chstes Ziel bildet die Reissch\u00fcssel Vietnams, das Mekongdelta. Alles w\u00e4chst dort gr\u00fcn und \u00fcppig: Reis, Kokospalmen, Maniok, Wasserb\u00fcffel, Schweine, Schmutz und Menschen (letztere nicht gr\u00fcn). Kurz vor Can Tho begebe ich mich aufs Wasser und schippere \u00fcber kleine Seitenarme des Mekongs vorbei an einsturzgef\u00e4hrdeten Pfahlbauten, explosiven Bootstankstellen und verbl\u00fcffend gepflegten Kirchen sowie Pagoden. In einem der Pfahlbauten ist eine Manufaktur f\u00fcr Reispl\u00e4tzchen und andere Schleckereien untergebracht. Die Betreiber sind so reinlich, dass sie mit einer ramponierten Zahnb\u00fcrste f\u00fcr alle auskommen. Trotz orts\u00fcblicher Hygienestandards lasse ich mir die leckeren S\u00fc\u00dfigkeiten schmecken. Die Karamellbonbons f\u00f6rdert wohl die Zahn\u00e4rzteinnung. Denn sie entfernen ohne weiteres Plomben und Br\u00fccken. Nach zuckrigem Genuss wird mir die Familienzahnb\u00fcrste zur Mundhygiene angeboten. &#8211;\u00a0 Die Abh\u00e4rtungsdi\u00e4t setzt sich fort in einem sehr l\u00e4ndlichen Restaurant neben Gr\u00e4bern und verschlammten Kan\u00e4len. Ich bleibe bei der bew\u00e4hrten Nudelsuppe. Anschlie\u00dfend \u00fcberquere ich auf einer nur leicht angerosteten F\u00e4hre den Mekong, wobei die gr\u00f6\u00dfte Gefahr in Hunderten von Mopeds besteht, die alle \u00fcber meine F\u00fc\u00dfe auf das Schiff und wieder hinunter wollen. Mein Hotel in tiefster Provinz ist schlicht, aber annehmbar. (Alle anderen Hotels waren gut bis hervorragend.) Zum Abendessen sitze ich auf einer Dachterrasse in tropisch lauer M\u00fcckennacht mit Blick auf den Fluss, wenn man sich die davor liegenden H\u00e4user wegdenkt. Kellner und K\u00fcche geben sich gr\u00f6\u00dfte M\u00fche, Sonderw\u00fcnsche zu befriedigen. So erhalte ich statt Fisch eine Schale mit kalten Pommes frites. &#8211; Zu Recht war mir vorher versprochen worden, im Delta Land und Leute kennenzulernen.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen erlebe ich w\u00e4hrend einer Bootsfahrt das gesch\u00e4ftige Treiben auf dem \u201eSchwimmenden Markt\u201c von Cai Ranh. Jedes Boot tr\u00e4gt an einer Stange, die am Bug aufragt, das, was verkauft wird. Melonen, T-Shirts, tote und lebende H\u00fchner, Schweinek\u00f6pfe, alles ist ausgesteckt. In einer Manufaktur zwischen halb versunkenen Pfahlh\u00e4usern werde ich noch in die Herstellung von Reispapier und -nudeln eingeweiht. Die Produktionsmethoden d\u00fcrften uraltes Handwerk sein.<\/p>\n<p>Auf festem Boden gelange ich nach Chau Doc, der letzten Stadt am Mekong vor der kambodschanischen Grenze. Vorher hatte ich eine gro\u00dfe Marienkirche zwischen Reisfeldern und einen kirchen\u00e4hnlichen Tempel der fast nur in Vietnam ans\u00e4ssigen Cao-Dai-Sekte bei Tan Ninh besichtigt. Sie verehrt Buddha, Jesus, Laotse, Konfuzius und unter anderen Lenin, Victor Hugo und die Jungfrau von Orleans. Am Rande des Weges nach Chau Doc tauche ich in pralles Landleben ein: Frauen setzten Reissch\u00f6\u00dflinge und bew\u00e4ssern per Hand, gro\u00dfe lebende Schweine werden gefesselt auf Mopeds verladen, Kinder reiten auf Wasserb\u00fcffeln.<\/p>\n<p>Hiermit schlie\u00dft sich der Kreis der drei L\u00e4nder des fr\u00fcher franz\u00f6sischen Indochina. Einiges blieb fremdartig, anderes entsprach nicht unbedingt europ\u00e4ischen Vorstellungen. In der Erinnerung setzen sich jedoch faszinierende Eindr\u00fccke von angenehmen Menschen, wunderbaren Landschaften und gro\u00dfartigen fremden Hochkulturen fest.<\/p>\n<p>Mit den n\u00e4chsten beiden Artikeln bleibe ich in der Region, aber weiter\u00a0 westlich in einem Land, das hier zu Unrecht als nicht des Bereisens wert angesehen wird.<\/p>\n<p>Text\/Foto: UM<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Vietnam-Vom-Norden-in-den-S\u00fcden-Teil-2-8.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-26958\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Vietnam-Vom-Norden-in-den-S\u00fcden-Teil-2-8-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Vietnam-Vom-Norden-in-den-S\u00fcden-Teil-2-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-26959\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Vietnam-Vom-Norden-in-den-S\u00fcden-Teil-2-1-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Vietnam-Vom-Norden-in-den-S\u00fcden-Teil-2-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-26960\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Vietnam-Vom-Norden-in-den-S\u00fcden-Teil-2-2-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Vietnam-Vom-Norden-in-den-S\u00fcden-Teil-2-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-26961\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Vietnam-Vom-Norden-in-den-S\u00fcden-Teil-2-3-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Vietnam-Vom-Norden-in-den-S\u00fcden-Teil-2-4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-26962\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Vietnam-Vom-Norden-in-den-S\u00fcden-Teil-2-4-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Vietnam-Vom-Norden-in-den-S\u00fcden-Teil-2-5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-26963\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Vietnam-Vom-Norden-in-den-S\u00fcden-Teil-2-5-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Vietnam-Vom-Norden-in-den-S\u00fcden-Teil-2-6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-26964\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Vietnam-Vom-Norden-in-den-S\u00fcden-Teil-2-6-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Vietnam-Vom-Norden-in-den-S\u00fcden-Teil-2-7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-26965\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Vietnam-Vom-Norden-in-den-S\u00fcden-Teil-2-7-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"S\u00fcdlich des Wolkenpasses liegt die Hafenstadt Da Nang. 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