{"id":25512,"date":"2018-12-21T19:20:54","date_gmt":"2018-12-21T18:20:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/?p=25512"},"modified":"2018-12-21T19:20:54","modified_gmt":"2018-12-21T18:20:54","slug":"shakespeares-hamlet-und-a-tribute-to-the-blues-brothers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/2018\/12\/shakespeares-hamlet-und-a-tribute-to-the-blues-brothers\/","title":{"rendered":"Shakespeare\u2019s Hamlet und A Tribute to the Blues Brothers"},"content":{"rendered":"<p>S\u00f6gel &#8211; Auf Shakespeares Spuren begab sich der Kulturkreis Clemenswerth am 29.09.18 in der Aula des H\u00fcmmling-Gymnasiums. Zum Auftakt der neuen Saison begl\u00fcckte das Theater-Ensemble das geneigte Publikum mit \u201eHamlet\u201c. Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, stand heuer allerdings nicht, wie in den vorangegangenen Jahren, das in S\u00f6gel bereits allseits bekannte &#8222;Neues Globe Theater&#8220;, sondern die &#8222;Theater-Kompagnie Stuttgart&#8220;. Die automatisch mit der Darbietung des bekannten Dramas einhergehende Schwierigkeit, diesen alten Wein in neue Schl\u00e4uche zu f\u00fcllen, versuchte die Schauspiel-Truppe um das Ehepaar Schl\u00f6sser dadurch zu bew\u00e4ltigen, dass sie der Geschichte um den rebellischen d\u00e4nischen Prinzen einen ordentlichen Schuss Moderne beif\u00fcgten.\u00a0Die Handlung ist allseits bekannt und schnell erz\u00e4hlt: Hamlets Vater verstirbt \u00fcberraschend, und sein Sohn kehrt aus Wittenberg zur\u00fcck, um der Beerdigung beizuwohnen. Hier erf\u00e4hrt er von den neuen Heiratspl\u00e4nen seiner Mutter, die den Bruder ihres Mannes, Claudius, bereits zu ihrem neuen Gatten erkoren hat. Durch Zufall begegnet Hamlet dem Geist seines verstorbenen Vaters und erf\u00e4hrt, dass dieser ermordet wurde, und zwar ausgerechnet von Claudius. Hamlet vertraut sich nur seinem Freund und Diener Horatio an und beschlie\u00dft, sich verr\u00fcckt zu stellen, um seinen Stiefvater genau beobachten und gegebenenfalls enttarnen zu k\u00f6nnen. Dies gelingt ihm schlie\u00dflich mit Hilfe einiger Schauspieler, die am Hofe seiner Mutter das Verbrechen, welches sein Stiefvater begangen haben soll, erneut inszenieren. Hamlets Verhalten f\u00fchrt jedoch nicht nur zum erw\u00fcnschten Erfolg: seine Verlobte Ophelia f\u00fchlt sich zur\u00fcckgewiesen, und als ihr Vater versehentlich von Hamlet erschossen wird, verliert sie jeglichen Halt und begeht Selbstmord. Hamlets Mutter, die nach und nach hinter das Geheimnis um das verr\u00fcckte Gehabe ihres Sohnes kommt, vergiftet sich selbst, w\u00e4hrend Hamlet mit Ophelias Bruder einen Fechtkampf auf Leben und Tod bestreitet. Beide werden t\u00f6dlich verwundet, Hamlet gelingt es aber im letzten Moment noch, den M\u00f6rder seines Vaters hinzurichten, womit s\u00e4mtliche Angeh\u00f6rige der d\u00e4nischen K\u00f6nigsfamilie gewaltsam zu Tode gekommen sind.\u00a0Eine Mauer aus grauen Quadern starrt das Publikum an: &#8222;In Memoriam Hamlet&#8220; liest man sich fl\u00fcsternd vor. Dann wallt Nebel \u00fcber die B\u00fchne, eine trostlose, windgepeitschte Landschaftsprojektion begleitet den Auftritt des jungen d\u00e4nischen Prinzen. Ohne jede Vorwarnung st\u00fcrmt ein Trupp schwer bewaffneter M\u00e4nner die B\u00fchne. Schwarze Lederm\u00e4ntel und klobige Schuhe lassen ein \u00dcberfallkommando vermuten, aber es ist nur die k\u00f6nigliche Garde, die die erstarrte K\u00f6nigin zum Grab ihres Mannes geleitet. Wer sich nun auf einen Abend in altert\u00fcmlicher Gewandung und Sprache gefreut hat, wird zun\u00e4chst leicht irritiert den Auftritt der k\u00f6niglichen Armee verfolgt haben, die mehr oder weniger wie eine militante Gruppierung aus dem Nahen Osten wirkt. Auch hinsichtlich der Sprache ist etwas faul im Staate D\u00e4nemark, denn die Regie greift hier recht entschieden in die \u00fcberlieferte Textfassung ein und zeigt damit einen bewussten Interpretations- und Aktualisierungswillen, wobei aber viele lose Ans\u00e4tze entstehen, deren Passung sich nicht immer erschlie\u00dft. Am Hofe wird n\u00e4mlich einerseits ein sehr modernes, nicht immer dem Standard entsprechendes Deutsch gesprochen, in welchem andererseits aber die wenigen Orginalzitate, die die Aktualisierung des Textes \u00fcberlebt haben, fast unpassend wirken. Immer wieder wird die szenische Darstellung durch Hintergrundprojektionen unterst\u00fctzt, zeitgem\u00e4\u00dfe Bilder einer Schlacht verdichten die Atmosph\u00e4re und geben einen lebhaften Eindruck vom inneren Ringen des Prinzen. Mystische Momente, wie die Jagd nach dem Geist des Vaters, actiongeladene Szenen, wie der Kampf mit Laertes oder auch Tanzdarbietungen w\u00e4hrend der Schauspielvorf\u00fchrung am Hof vermitteln aber immerhin ein abwechslungsreiches Bild und verhinderten\u00a0 das Aufkommen von Langeweile.\u00a0Nicht nur die Texte wurden demgem\u00e4\u00df verfremdet, sondern auch der Konfliktstoff des Dramas wurde dahingehend verengt, dass vom Charakter Hamlets nur ein jugendlicher St\u00fcrmer \u00fcbrig bleibt, der \u00fcber seine Adoleszenzproblematik im Sinne eines \u201eSein oder Nichtseins&#8220; barfu\u00df auf einem Tisch sitzend monologisiert. Vom historischen Vorbild l\u00e4sst die Darbietung also nicht viel \u00fcbrig: es k\u00f6nnte ein junger Mann aus der Nachbarschaft sein. L\u00e4sst man sich auf diesen Interpretationsansatz ein, so passt Paul Elter ausgezeichnet in das Bild. In jeder Faser ein Rebell, erst nachdenklich humanistisch und am Ende st\u00fcrmisch und auf Rache sinnend, durchlebt die Figur des Hamlets alle Phasen der Losl\u00f6sung vom Elternhaus, die Abwendung von den Werten seiner Mutter und schlussendlich in zynischer Weise von den eigenen Idealen. Das abschlie\u00dfende Duell mit Laertes wirkt fast wie ein Actionfilm, so gekonnt k\u00e4mpfen Hamlet und Christopher Wittkomp \u00fcber die B\u00fchne. Die K\u00f6nigin (Cornelia Schl\u00f6sser) wirkt dagegen \u00fcber weite Strecken wie eingefroren. Versteinert l\u00e4sst sie alle Pl\u00e4ne ihres neuen Gatten \u00fcber sich und ihr Reich ergehen, und als sie schlie\u00dflich zum Giftbecher greift, stirbt sie so unauff\u00e4llig, wie sie regiert hat. Dagegen ist Bernd K\u00f6hler als Polonius wirklich herrlich, ein jovialer Politiker, wie er im Buche steht, mit kr\u00e4ftiger Stimme, die sowohl Diener als auch die eigenen Kinder zu instrumentalisieren wei\u00df. \u00a0Das Publikum reagierte durchaus gespalten: Wie Pausengespr\u00e4che im Foyer verrieten, waren sich nicht alle Zuschauer einig, ob man es auf der B\u00fchne tats\u00e4chlich mit dem \u201eechten\u201c Shakespeare zu tun hatte. Aber Werkimmanenz war hier auch offensichtlich nicht der angemessene Bewertungsma\u00dfstab.Man mag also \u00fcber die Inszenierung geteilter Meinung sein. Aber gerade hierin liegt wohl die besondere Qualit\u00e4t der Darbietung: sie sorgte f\u00fcr Diskussion. Es ist eben deshalb ausdr\u00fccklich zu begr\u00fc\u00dfen, dass der Kulturkreis so mutig war, von alteingetretenen Pfaden etablierter Darstellung abzuweichen und den S\u00f6geler Kulturinteressierten Raum f\u00fcr neue Perspektiven zu geben.Wer daran interessiert war, der durfte sich jedenfalls beim Kulturkreis gut aufgehoben gef\u00fchlt haben und allen Anderen sei w\u00e4rmstens der Februar empfohlen, denn mit Shakespeare geht es weiter, sodass diese Saison im Kulturkreis bestens geeignet ist, sich in Ruhe einen \u00dcberblick \u00fcber das Werk des gro\u00dfen Autors zu verschaffen.<strong>Kulturkreis Clemenswerth zollt den \u201eBlues Brothers\u201c Tribut<\/strong>\u00a0Der 1980 produzierte, legend\u00e4re Musikfilm \u201eThe Blues Brothers\u201c ist wahrscheinlich den meisten Musik-Fans noch ein Begriff: Viele werden sich an die fantastische Filmmusik erinnern, einigen werden die chaotischen Actionszenen in guter Erinnerung sein und ein paar wenige werden die schlechten Witze rezitieren k\u00f6nnen \u2013 aber fraglos jeder erinnert sich noch an die zwei coolen Typen in ihrem Signatur-Look&#8230; womit wir beim Thema w\u00e4ren.Dass Leute mit Sonnenbrille eine Theatervorstellung besuchen, mag man seltsam finden, aber nach diesem Sommer ist man ja einiges gewohnt. Wenn dann aber nach den ersten zehn Minuten der Vorstellung das gesamte Publikum rhythmisch zuckt, schnipst und summt, fragt man sich unwillk\u00fcrlich, ob die freundlichen Helfer an der Garderobe vielleicht seit neuestem einen Gratis-Cocktail ausschenken\u2026 Aber zu derartigen Tricks mussten die Verantwortlichen des Kulturkreises Clemenswerth gar nicht greifen. Stattdessen setzen sie auf grandiosen Sound, Action, Charme und\u2026 coole Typen. Das Kammertheater Karlsruhe hat mit \u201eA Tribute to The Blues Brothers\u201c offenbar genau den Geschmack des S\u00f6geler Publikums getroffen, denn schon lange nicht mehr war das Foyer der Aula des H\u00fcmmling-Gymnasiums so gut gef\u00fcllt. Wer allerdings damit gerechnet hat, nun den Film als B\u00fchnenadaption zu erleben, dessen Erwartungen werden sogar \u00fcbertroffen, denn man erf\u00e4hrt recht viel \u00fcber die Hintergr\u00fcnde, die John Belushi und Dan Akroyd zu den von Gott gesandten \u201eBrothers\u201c werden lie\u00dfen. Dabei muss man allerdings nicht im Mindesten auf die Wucht der spektakul\u00e4ren Filmszenen verzichten. Ronald Tettinek und J\u00f6rg Bruckschen scheinen gewisserma\u00dfen direkt dem Film entsprungen, und sp\u00e4testens, wenn die ersten Kl\u00e4nge des \u201eJailhouse Rock\u201c erklingen und man Tettineks gro\u00dfartige Interpretation zu h\u00f6ren bekommt, wei\u00df man, dass dieser Abend herrlich werden muss.1982 stirbt der Komiker John Belushi an einem Drogencocktail, den er sich selbst verabreicht hat. Das St\u00fcck beginnt mit seiner Beerdigung. Judy Belushi trauert um ihren Mann (ganz toll gespielt und gesungen von Georgia Reh), und erinnert sich mit dem besten Freund des Verflossenen, Dan Aykroyd, an Johns Leben, beginnend mit dessen Entlassung aus dem Gef\u00e4ngnis, wobei der \u201eJailhouse Rock\u201c alle Melancholie der Beerdigungsszene vertreibt. Nachdem die Insignien der \u201eBlues Brothers\u201c (schwarzer Anzug, Krawatte und Sonnenbrille) angelegt sind, lernt man Aykroyd bei \u201eSaturday Night Live\u201c kennen, erf\u00e4hrt, dass Belushis sp\u00e4tere Frau Judy ihn erst nicht ausstehen konnte und begleitet die beiden sogar auf der Autofahrt, w\u00e4hrend der sie ihren d\u00fcrftigen Plot zu \u201eThe Blues Brothers\u201c ersinnen. Und schlie\u00dflich erf\u00e4hrt man auch von Belushis Hang zum Drogenkonsum und erlebt das Ende des K\u00fcnstlers hautnah mit.Im Film wechseln sich aufregende Verfolgungsjagden mit grandiosen Musiknummern ab. Das ist auf einer B\u00fchne freilich nur schwer umzusetzen, und ist wohl der Hauptgrund f\u00fcr die erweiterte Story, mit der die Theaterfassung zu fesseln wei\u00df. Jedoch geht es so ganz ohne Action eben doch nicht, und dieses Problem wird mithilfe einer Leinwand, auf der, je nach Bedarf, Hintergr\u00fcnde und Filmszenen abgebildet werden, gut gel\u00f6st. Komplett erhalten bleiben die diversen Musikst\u00fccke, wobei Tettinek als geniale Besetzung (nicht nur wegen der \u00e4u\u00dferlichen \u00c4hnlichkeit) auff\u00e4llt. Eine klassisch ausgebildete Bassbariton-Stimme, welche sich normalerweise mit Opern befasst, kann auch herrlich die Songs der Blues Brothers performen. A propos, auch seine R\u00e4der, welche er elegant \u00fcber die B\u00fchne schl\u00e4gt, sind nicht von schlechten Eltern. Wenn wir das in zwei Jahren nochmal sehen, beherrscht er wahrscheinlich schon den Flickflack Belushis. Aber auch der Rest des Ensembles eifert seinen gro\u00dfen Vorbildern ordentlich nach, Georgia Reh geigt als frustrierte Ehefrau mit Aretha Franklins Song \u201eThink\u201c ihrem Mann die Meinung, und J\u00f6rg Bruckschen singt ohne jeden Zungenstolperer den Song \u201eRubber Biscuit\u201c. S\u00e4mtliche Melodien werden live gespielt und die Band ist wirklich hervorragend. \u00dcber die vier h\u00fcbschen T\u00e4nzerinnen, die zeitweise als Background, als B\u00fchnenrequisit oder auch als angedeuteter Charakter fungieren, kann man nur staunen, so wandelbar sind sie in ihrer Pr\u00e4senz.Beifall wird in S\u00f6gel ja bisweilen stehend gegeben\u2026aber diesmal wurde nicht nur geklatscht. Zehn Minuten stand das Publikum, sang die Zugaben mit, wippte auf den Fersen und spendete begeistert Beifall.<\/p>\n<p>Text: Felicitas Ehrhardt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"S\u00f6gel &#8211; Auf Shakespeares Spuren begab sich der Kulturkreis Clemenswerth am 29.09.18 in der Aula des H\u00fcmmling-Gymnasiums. Zum Auftakt der neuen Saison begl\u00fcckte das Theater-Ensemble das geneigte Publikum mit \u201eHamlet\u201c. 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