{"id":23895,"date":"2018-05-27T15:11:53","date_gmt":"2018-05-27T13:11:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/?p=23895"},"modified":"2018-05-27T15:11:53","modified_gmt":"2018-05-27T13:11:53","slug":"kulturkreis-clemenswerth-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/2018\/05\/kulturkreis-clemenswerth-4\/","title":{"rendered":"Kulturkreis Clemenswerth"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Malala- M\u00e4dchen mit Buch <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Am 8.03. 2018 holte der Kulturkreis Clemenswerth das Junge Theater Bonn in die Aula des H\u00fcmmling- Gymnasiums, welches mit dem sehr bewegenden St\u00fcck \u201eMalala- M\u00e4dchen mit Buch\u201c das zahlreich erschienene Publikum begeisterte.<\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild zeigt metaphorisch, welches Chaos im Kopf der Studentin Lena (Mona Mucke) herrscht. Ihre Bachelorarbeit steht an, aber das richtige Thema zu finden gestaltet sich schwerer als gedacht. Zuf\u00e4llig st\u00f6\u00dft sie auf einen Artikel \u00fcber die pakistanische Menschenrechtlerin und Friedensnobelpreistr\u00e4gerin Malala Yousafzai, die 2012 von den Taliban auf dem Schulweg angeschossen wurde und die Tat schwer verletzt \u00fcberlebte. Lena ist von der Geschichte fasziniert: eine 11- j\u00e4hrige, die einen Blog f\u00fcr die BBC schreibt, \u00fcber ihren Alltag in der von Extremisten besetzten Stadt, die M\u00e4dchen verbietet zur Schule zu gehen. Sie beginnt zu recherchieren, st\u00f6\u00dft aber schnell an ihre Grenzen, denn wer kennt schon die Verh\u00e4ltnisse, unter denen Malala leben muss? Welche pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnde hat sie, sich todesmutig vor laufenden Kameras zur Situation in ihrem Land zu \u00e4u\u00dfern?<\/p>\n<p>Lena ist als Mitteleurop\u00e4erin, weder besonders religi\u00f6s, noch gezwungen, f\u00fcr ihre Grundrechte zu k\u00e4mpfen. Deshalb beginnt sie Fragen zu stellen, offen und kritisch. Die problematische Rolle der internationalen Medien beispielsweise, die Malala nicht dazu anhielten, behutsam mit pers\u00f6nlichen Informationen umzugehen, oder auch die Art von Malalas Vater, offen seine Meinung und seine Tochter in Interviews zu zeigen, wohlwissend, dass auch die Terroristen Zugang zu diesen Informationsquellen haben. Ein Spiel mit Malalas Leben.<\/p>\n<p>Mona Mucke schl\u00fcpft hierbei in unterschiedliche Rollen, mal ist sie Studentin, zeigt auf einer selbstgemalten Karte, wo Malala genau wohnt, mal ist sie Malala, die sich mit Buch und Stift gegen die Extremisten wappnet, mal ist sie der Busfahrer, dann der Attent\u00e4ter. Ausgezeichnet gestaltet sich dieses Rollenspiel, Lenas Gedanken sind selbstkritisch, witzig und ernsthaft, wenn sie sich mit dem Kopftuch, mit dem Recht darauf, die Schule zu besuchen, oder auch mit Religion auseinandersetzt. Das B\u00fchnenbild ist dabei ein Schatz an Requisiten. In der Schublade ihres Schreibtisches findet sie orientalische Musik, unter dem M\u00fcllberg verbergen sich Artikel \u00fcber Politik und Zeitgeschichte, und so wird die r\u00e4tselhafte Welt des sogenannten &#8222;Morgenlandes&#8220; mithilfe von Musik und Lichteffekten zum Leben erweckt. Dabei wird die Thematik ohne Kitsch beleuchtet, auf einer gro\u00dfen Leinwand werden Szenen aus dem allt\u00e4glichen Leben Malalas gezeigt, Bomben explodieren pl\u00f6tzlich, eine Frau wird auf der Stra\u00dfe ausgepeitscht, weil sie zusammen mit einem fremden Mann ein Haus verlie\u00df. Und mittendrin eine Radiodurchsage: &#8222;Allen M\u00e4dchen wird der Schulbesuch verboten.&#8220; Die Taliban haben Angst vor der \u201eVerwestlichung\u201c, die Gleichberechtigung von Frauen muss mit Gewalt unterdr\u00fcckt werden. Allerdings gibt es auch Hoffnung, es werden auch Filmaufnahmen von Malala und ihrem Vater gezeigt, Interviews und private Mitschnitte von Demonstrationen. Malala erscheint als eloquentes junges M\u00e4dchen, ehrgeizig und klug. Mit der Schilderung des Attentates h\u00f6ren die Bilder von Malala auf, aber ihre Botschaft wird mit herabfallenden Buchseiten verdeutlicht: \u201eBildung ist die einzige L\u00f6sung. Bildung zuerst.\u201c<\/p>\n<p>Das Publikum folgte dem einst\u00fcndigen St\u00fcck in gespannter Stille, einige Zuschauer kennen Terror aus eigener Erfahrung, und die gezeigten Szenen lie\u00dfen niemanden kalt. Die Inszenierung der Regisseurin Konstanze Kappenstein zieht jeden in ihren Bann, vor allem die Mischung aus dokumentarischen Aufnahmen und den Emotionen der Darstellerin Mona Mucke gestalten Malalas Erlebnisse erschreckend real, ohne ins romantisch Verkl\u00e4rte abzudriften, gro\u00dfen Respekt daf\u00fcr. Langanhaltender Applaus am Ende zeigte die Begeisterung, und viele nachdenkliche Gesichter am Ausgang die nachhallenden Gedanken in den K\u00f6pfen des jungen Publikums.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Kleiner Mann was nun?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Am 06.03. 2018 lud der Kulturkreis Clemenswerth alle interessierten Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen zu einer B\u00fchnenadaption von Hans Falladas \u201eKleiner Mann was nun?\u201c in die Aula des H\u00fcmmling-Gymnasiums ein. Die Inszenierung \u00fcbernahm das Westdeutsche Tourneetheater Remscheid, und es gelang den Darstellern gro\u00dfartig, die Zeit der 1930er Jahre vor dem jungen Publikum zum Leben zu erwecken.<\/p>\n<p>Die letzten Tage der Weimarer Republik sind angebrochen, die Schrecken der Nazizeit stehen quasi schon in den Startl\u00f6chern &#8211; aber noch interessiert das Niemanden. Denn man hat ganz andere Sorgen: Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und nat\u00fcrlich die Liebe. Das frisch verheiratete Ehepaar Pinneberg ist noch sehr naiv. Emma, genannt L\u00e4mmchen, ist 22 und schwanger. Von Haushaltsf\u00fchrung und Eigenst\u00e4ndigkeit hat sie kaum Ahnung, aber sie m\u00f6chte gl\u00fccklich werden und ist bereit, daf\u00fcr alles zu geben. Johannes Pinneberg hat das Leben als Junggeselle genossen, aber bald nach der Hochzeit ahnt er, dass die wachsende Verantwortung mit Frau und Kind sein Leben nicht gerade leichter machen wird. Beide versuchen, in der unsicheren Zeit der Wirtschaftskrise ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, jedoch wird schnell klar, dass die anf\u00e4nglich rosigen Aussichten nicht anhalten werden, denn Johannes verliert seine Arbeit, und L\u00e4mmchen ist schon sehr bald gezwungen, ihre Hausfrauenrolle aufzugeben und das Geld zu verdienen.<\/p>\n<p>Ein sehr einfaches B\u00fchnenbild erwartet die Zuschauer: eine T\u00fcr f\u00fchrt in verschiedene R\u00e4umlichkeiten und Orte. Der Hintergrund der B\u00fchne ist eine gro\u00dfe Leinwand, auf der verschiedene Bilder und Filmsequenzen (aus \u201eBerlin wie es war: Symposium einer Weltstadt\u201c) projiziert werden und jedem deutlich machen, wo man sich gerade befindet, oder wodurch die Welt des Szenischen B\u00fchnenst\u00fcckes gerade ersch\u00fcttert wird (Aufm\u00e4rsche, Proteste oder auch Versammlungen). Man f\u00fchlt sich also durchaus in die Zeit der Weimarer Republik zur\u00fcckversetzt &#8211; und betritt sie doch nicht vollst\u00e4ndig, denn am linken B\u00fchnenrand steht ein Rednerpult. Hierhin treten die verschiedenen Akteure abwechselnd und \u00fcbernehmen dort, wo das St\u00fcck eine erz\u00e4hlende Vermittlungsinstanz ben\u00f6tigt, die Erz\u00e4hlerrolle &#8211; einerseits ein Zugest\u00e4ndnis an die Schwierigkeiten einer Romanadaption auf der Theaterb\u00fchne, andererseits aber willkommene Verfremdung der dramatischen Handlung. Die Akteure geben vom Rednerpult aus quasi Regieanweisungen und kurze Berichte von der nachfolgenden Entwicklung. Auch dadurch wird das St\u00fcck leichter verst\u00e4ndlich, und zugleich erh\u00e4lt man interessante Einblicke in das Innenleben der Charaktere. Zur musikalischen Untermalung ist ein Akkordeonspieler anwesend, der bekannte zeitgen\u00f6ssische Melodien als Szenenabschluss einbrachte. Wer von \u201eF\u00fcr mich soll rote Rosen regnen\u201c nicht mitgerissen wurde, konnte sich stattdessen f\u00fcr \u201eMein kleiner gr\u00fcner Kaktus\u201c begeistern.<\/p>\n<p>Claudia Sowa \u00fcbernimmt nicht nur die Rolle von \u201eL\u00e4mmchen\u201c, sondern ist auch die Regisseurin und verantwortlich f\u00fcr die szenische B\u00fchnenfassung. Normalerweise ist eine solche Mischung mit Vorsicht zu genie\u00dfen, hier aber ist das Ergebnis mehr als vorzeigbar geworden. Unter anderem durch die besagten Regieentscheidungen hat Falladas manchmal etwas sehr detailverliebter Stil eine ordentliche K\u00fcrzung erfahren, wodurch der gesellschaftliche Sturz der Pinnebergs noch mehr in den Vordergrund ger\u00fcckt wird. Aber nicht nur Sowa, sondern auch die anderen Darsteller, Bj\u00f6rn Lenz, Bj\u00f6rn Lukas und Kai Balke, lieferten eine ansehnliche schauspielerische Teamleistung. Durch das in S\u00f6gel bereits mehrfach bew\u00e4hrte Mittel des Kost\u00fcmwechsels gelang es der Truppe problemlos, komplett andere Charaktere zum Leben zu erwecken, und dies gelang scheinbar so m\u00fchelos, dass sich das Publikum wie am B\u00e4ndel durch alle Emotionen f\u00fchren lies. Der Schlussapplaus war dementsprechend langanhaltend. Ob dies auch daran lag, dass die Thematik um soziale Abstiegs\u00e4ngste und politische Radikalisierung aktueller sind, als es vielen lieb ist, sei dahingestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Text: Felicitas Ehrhardt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Malala- M\u00e4dchen mit Buch Am 8.03. 2018 holte der Kulturkreis Clemenswerth das Junge Theater Bonn in die Aula des H\u00fcmmling- Gymnasiums, welches mit dem sehr bewegenden St\u00fcck \u201eMalala- M\u00e4dchen mit Buch\u201c das zahlreich erschienene Publikum begeisterte. Das B\u00fchnenbild zeigt metaphorisch, welches Chaos im Kopf der Studentin Lena (Mona Mucke) herrscht. 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