{"id":22586,"date":"2017-10-01T19:59:50","date_gmt":"2017-10-01T17:59:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/?p=22586"},"modified":"2017-10-01T20:00:36","modified_gmt":"2017-10-01T18:00:36","slug":"papierskulpturen-auf-schloss-clemenswerth","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/2017\/10\/papierskulpturen-auf-schloss-clemenswerth\/","title":{"rendered":"Papierskulpturen auf Schloss Clemenswerth"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17258\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Schloss-Clemenswerth.jpg\" alt=\"\" width=\"201\" height=\"130\" \/>S\u00f6gel &#8211; Bis zum 31. Oktober sind die beeindruckenden \u201ePapierskulpturen\u201c \u2013 so auch der Titel der Ausstellung \u2013 der japanischen K\u00fcnstlerin Mustumi Aoki, die seit 26 Jahren in Deutschland lebt und arbeitet, zu sehen. Gef\u00f6rdert ist die Ausstellung mit Mitteln der EWE Stiftung.<\/p>\n<p>Der erste fl\u00fcchtige Blick l\u00e4sst den Betrachter stutzen. H\u00e4ngen da Menschen, in teils \u00fcppigen Kost\u00fcmen, an den W\u00e4nden. Doch beim zweiten Blick, beim genaueren Hinsehen entpuppt sich der erste Blick als Trugschluss. Denn die Arbeiten der Japanerin Mutsumi Aoki zeigen nicht Menschen, sondern nur Kleidungsst\u00fccke, vornehmlich historische Kost\u00fcme aus dem Barock und der napoleonischen Zeit, aber auch aus der \u00e4lteren und j\u00fcngeren Geschichte. Es sind immer mit Bedacht ausgew\u00e4hlte Kleidungsst\u00fccke. Dabei handelt es sich nicht um Originale oder wom\u00f6glich nachgeschneiderte Textilien, sondern um Imitationen, die aus nassem Papier geformt und nach dem Trocknen mit Hilfe von Naturharz, Leim und Bienenwachs gefestigt sowie farblich gefasst sind. Mutsumi Aoki vermag es die Faltungen des Stoffes, seine Oberfl\u00e4chenstruktur und die Farbgebung so naturalistisch wiederzugeben, das der Betrachter versucht ist, das Gesehene haptisch zu verifizieren. So f\u00e4llt es dem Rezipienten sichtlich schwer, die Objekte nicht anzufassen. Sp\u00e4testens aber, wenn die Versuchung gr\u00f6\u00dfer ist als das Verbot, Ausstellungsst\u00fccke zu ber\u00fchren, erkennt man, dass es sich hierbei nicht um Stoff, sondern um Papier handelt. Mutsumi Aoki hat eine perfekte Illusion geschaffen.<\/p>\n<p>Ebenso besonders wie die Umsetzung von textilen Kleidungsst\u00fccken in Papier ist auch deren Drapierung. Denn die vermeintlichen Kleidungsst\u00fccke werden nicht<a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Papierskulpturen-auf-Schloss-Clemenswerth.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-22587 size-medium\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Papierskulpturen-auf-Schloss-Clemenswerth-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Papierskulpturen-auf-Schloss-Clemenswerth-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Papierskulpturen-auf-Schloss-Clemenswerth-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Papierskulpturen-auf-Schloss-Clemenswerth.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> auf einem B\u00fcgel wie in einem Kaufhaus feilgeboten, sondern in einer menschlichen Haltung, perfekt wiedergegebenen, so, wie das Kleidungsst\u00fcck in Benutzung, also getragen aussieht. Doch der Tr\u00e4ger, der Mensch fehlt. Er scheint sich gerade in diesem Moment, wie von einem Zauber, aufgel\u00f6st zu haben, so dass das Kleidungsst\u00fcck, die noch vom Menschen ausgehende Bewegung in sich tr\u00e4gt. Und es scheint, dass noch ein Rest der K\u00f6rperw\u00e4rme in der Luft liegt.<\/p>\n<p>Die K\u00fcnstlerin Mutsumi Aoki zeigt uns ein sehr besonderes Oeuvre. Sie pr\u00e4sentiert die Kleidung als k\u00f6rperlose H\u00fclle des Menschen und reduziert damit gleichzeitig den Menschen, ohne dass es seiner Anwesenheit bedarf, auf das \u00c4u\u00dfere, den Schein und vernachl\u00e4ssig damit das Sein. Ihre Arbeiten erscheinen als entseelte H\u00fcllen. Das macht ihre Arbeiten so spannend. Sie bewegen uns und machen uns nachdenklich. Wir erschrecken f\u00f6rmlich \u00fcber diese H\u00fcllen, die uns einen Spiegel vorsetzen und uns sagen, dass wir nur allzu gern das \u00c4u\u00dfere h\u00f6her bewerten als die inneren Werte. Durch das Fehlen des K\u00f6rpers und der Seele macht sie uns in einer ganz stillen und leisen Art und Weise, damit aber auch besonders eindringlich, auf unsere Schw\u00e4chen aufmerksam. Sie mahnt uns, das \u00c4u\u00dfere nicht zu hoch zu bewerten und uns auf die inneren Werte zu besinnen. Es ist eine Mahnung, die so alt ist wie der Glaube und an allen Orten und in allen geschichtlichen Perioden bis in die Gegenwart ihre Berechtigung hat. Dies in der westlichen Kultur genauso wie in der fern\u00f6stlichen, was Mutsumi Aoki vielleicht einerseits durch die Auswahl der europ\u00e4ischen Kleidung und andererseits durch die Verwendung des in Japan traditionsreichen Materials Papier andeutet.<\/p>\n<p>Mit der Materialwahl des Papiers stellt sich Mutsumi Aoki ganz in die Tradition der japanischen Papierkunstkultur mit dem ber\u00fchmten Japanpapier und den Origamis. Ihre Genauigkeit und Behutsamkeit, ihre \u00c4sthetik und Materialit\u00e4t belegen die enge Verwurzelung mit der Kultur ihrer Vorfahren. Und doch geht sie ihren eigenen Weg.<\/p>\n<p>Mutsumi Aoki sagt: \u201eMein Geburtsland ist Japan, das Land der Sonneng\u00f6ttin Amaterasu, mein Aufenthaltsort ist Deutschland, meine Heimat ist die Kunst.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei der Finissage (8 \u20ac) am 31. Oktober um 16 Uhr haben Besucher noch einmal die M\u00f6glichkeit mit der K\u00fcnstlerin Mutsumi Aoki ins Gespr\u00e4ch zu kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Text: Oliver Fok \/ Foto: Emslandmuseum Schloss Clemenswerth<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"S\u00f6gel &#8211; Bis zum 31. Oktober sind die beeindruckenden \u201ePapierskulpturen\u201c \u2013 so auch der Titel der Ausstellung \u2013 der japanischen K\u00fcnstlerin Mustumi Aoki, die seit 26 Jahren in Deutschland lebt und arbeitet, zu sehen. Gef\u00f6rdert ist die Ausstellung mit Mitteln der EWE Stiftung. 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