{"id":22357,"date":"2017-09-08T19:32:44","date_gmt":"2017-09-08T17:32:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/?p=22357"},"modified":"2017-09-08T19:32:44","modified_gmt":"2017-09-08T17:32:44","slug":"suedkaukasus-nahtstelle-zwischen-orient-und-okzident","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/2017\/09\/suedkaukasus-nahtstelle-zwischen-orient-und-okzident\/","title":{"rendered":"S\u00fcdkaukasus \u2013 Nahtstelle zwischen Orient und Okzident"},"content":{"rendered":"<p>Die L\u00e4nder Armenien, Georgien und Aserbaidschan teilen sich den S\u00fcdkaukasus. Von Armeniens Hauptstadt Eriwan aus erblickt man in der Ferne den Berg Ararat. An ihm strandete angeblich Noahs Arche. Der Berg ist aber von Armenien aus unerreichbar, da er auf t\u00fcrkischem Gebiet liegt. Die Grenzen sind geschlossen. Die Armenier haben den V\u00f6lkermord nicht vergessen, den die T\u00fcrkei bei deren Vertreibung im Ersten Weltkrieg ver\u00fcbte. Ein w\u00fcrdevolles modernes Mahnmal, dessen Bedeutung man ohne fragw\u00fcrdige modernistische Erl\u00e4uterungen versteht, erinnert an das Leid der Armenier.<\/p>\n<p>Trotz des vernichtenden Erdbebens zur Sowjetzeit wirkt Eriwan intakt und strahlt angenehmes Gro\u00dfstadtflair aus. Es gibt tats\u00e4chlich ein Geb\u00e4ude von Radio Eriwan, das einmal den Namensgeber f\u00fcr Witze in Frage- und Antwortform bildete. Viel bedeutsamer als diese Randnote der Stadtgeschichte sind die vielen ausdrucksstarken Kirchen. Sie legen Zeugnis davon ab, dass Armenien das erste christliche Land ist. Es \u00fcbernahm den Glauben zwischen 301 und 314. Sein K\u00f6nig bekehrte sich &#8211; angeblich aufgrund einer wundersamen Heilung &#8211; und f\u00fchrte den Glauben in seinem Land ein. In einiger Entfernung von Eriwan kann man den Apollotempel besuchen, der zur ersten christlichen Kirche das Landes und damit wohl der ganzen Welt wurde. Der christliche Glaube ist heute noch wesentlicher Kristallisationspunkt armenischer Identit\u00e4t. \u00dcberall im Land findet man in St\u00e4dten ebenso wie in der Berglandschaft uralte christliche Kirchen. In urspr\u00fcnglicher Gebirgslandschaft verstecken sich Felsenkl\u00f6ster, Kirchen \u00fcberblicken Gebirgsseen. Allen Gottesh\u00e4usern gemeinsam ist die trutzige Bauweise.<\/p>\n<p>Armenien grenzt an den Iran, die T\u00fcrkei, Aserbaidschan und Georgien. Eine direkte Einreise nach Aserbaidschan ist nicht m\u00f6glich wegen des milit\u00e4rischen Konflikts um die armenische Enklave Berg Karabach in Aserbaidschan. Der Grenz\u00fcbertritt nach Georgien gestaltet sich dagegen unproblematisch. Die Hauptstadt Tiflis ist schnell erreicht. In ihr fallen sofort ein \u00fcberdimensionierter Pr\u00e4sidentenpalast, die riesige Statue einer \u201eMutter Heimat\u201c mit Schwert und die gro\u00dfe Kathedrale auf. Alle thronen auf H\u00fcgeln und Klippen, so dass sie das Stadtbild beherrschen. Der Pr\u00e4sidentenpalast wirkt wie in Glas und Stein geronnene Gro\u00dfmannssucht, die Mutter Heimat verherrlichte urspr\u00fcnglich Kommunismus und Sieg im Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg (2. Weltkrieg). Die Kathedrale legt Zeugnis davon ab, dass Georgien bereits im Jahr 349 zum Christentum \u00fcbertrat. \u00dcber den Vorplatz der Kathedrale wird berichtet, er sei zur Stalinzeit sonntags abgesperrt worden, weil die Mutter des Geheimdienstchefs Berija auf Knien zur Kirche gerutscht sei, um f\u00fcr die Verbrechen ihres Sohnes Bu\u00dfe zu tun.<\/p>\n<p>Auch in Georgien ist das Christentum tief in der Identit\u00e4t von Kultur und Volk verwurzelt. Trotz siebzigj\u00e4hriger verordneter Gottlosigkeit in der Sowjetunion hat sich hier wie in Armenien ein lebendiges Christentum erhalten. Georgien ist \u00fcbers\u00e4t mit Kirchen und Kl\u00f6stern. Sie liegen oft an landschaftlich sehr sch\u00f6nen Stellen. Viele erinnern mehr an Burgen denn an Gottesh\u00e4user. Der Glaube an den Nazarener wurde hier seit dem fr\u00fchen Mittelalter von muslimischen K\u00e4mpfern bedroht, deren Grausamkeiten denen der christlichen Kreuzritter in nichts nachstanden. Sp\u00e4ter richteten mongolische Invasionen Unheil an.<\/p>\n<p>Im Westen Georgiens lag das sagenumwobenen Land Kolchis, aus dem Jason nach altgriechischer Mythologie das Goldene Vlies geholt hat.\u00a0 Georgien reicht im Norden an den Gro\u00dfen Kaukasus heran. Hier ist das Land besonders wild. Wehrhafte Kirchen blicken von steilen Bergen in tiefe Schluchten. Heute ist dieses Gebiet Kachetien immer noch schwer zug\u00e4nglich und dennoch bekannt f\u00fcr eine Besonderheit. Der Weinanbau ist ca. 7000 Jahre alt. Man keltert dort heute Wein in Gef\u00e4\u00dfen unter der Erde. Er soll dadurch ein spezielles Aroma erhalten. (Dem Verfasser schmeckte er recht unterirdisch.)<\/p>\n<p>Betritt man Aserbaidschan, \u00fcberquert man die Grenze zu einem anderen Kulturraum. Alte (vergleichsweise bescheidene) Schahpal\u00e4ste, Moscheen, muslimische Friedh\u00f6fe, Gebetsrufe der Muezzine, bunte Gesch\u00e4fte, quirlige M\u00e4rkte, der Orient nimmt einen gefangen. Die Fahrt zur Hauptstadt Baku am Kaspischen Meer durch ein langgestrecktes Tal gestaltet sich sehr reizvoll. Rechts die Kette des Kleinen Kaukasus, links best\u00e4ndiger Blick auf die schneebedeckten Gipfel des Gro\u00dfen Kaukasus. Das zun\u00e4chst gr\u00fcne Tal verwandelt sich in Trockensteppe, je mehr man sich Baku n\u00e4hert. In Bergen nahe der iranischen Grenze findet man Felszeichnungen. Ihr Alter wird bis in die Bronzezeit zur\u00fcck gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>An vielen Stellen blubbern kleine Schlammkrater. Erdgas tritt aus. Die gesamte Region birgt riesige unterirdische Erd\u00f6lfelder. Am Strand des Kaspischen Meeres (exakt: See) n\u00f6rdlich von Baku erstreckt sich ein langer Schrottplatz von \u00d6lpumpen und -leitungen. Erstaunlicherweise l\u00e4sst sich damit noch \u00d6l f\u00f6rdern und transportieren. Vieles versickert. Das Wasser in Ufern\u00e4he schimmert dunkel. Der Sandstrand hat \u00c4hnlichkeit mit einer frisch geteerten Stra\u00dfe. Baku selbst wirkt sauber.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfz\u00fcgiger begr\u00fcnter Strandboulevard l\u00e4dt zum Flanieren ein \u2013 wegen der Tageshitze aber nur abends. Einige Jugendstilbauten k\u00f6nnten eher in Riga stehen. Die orientalische Altstadt f\u00e4llt langsam der Spitzhacke zum Opfer. Der sog. Sch\u00e4ferturm bleibt erhalten. Er bildet das Stadtsymbol. Von ihm hat sich einst eine Jungfrau in den Tod gest\u00fcrzt, um eine solche zu bleiben. Un\u00fcbersehbar ist der riesige Pr\u00e4sidentenpalast. Hier hat offenkundig Ceausescu f\u00fcr seinen Palast in Bukarest Ma\u00df genommen &#8211;\u00a0 oder umgekehrt. &#8211;<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Reise f\u00fchrt in ein K\u00f6nigreich in den Wolken.<\/p>\n<p>Text\/ Foto: UM<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Kaukasus_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-22358\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Kaukasus_1-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>\u00a0\u00a0<a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Kaukasus_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-22359\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Kaukasus_2-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>\u00a0\u00a0<a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Kaukasus_3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-22360\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Kaukasus_3-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Kaukasus_4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-22361\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Kaukasus_4-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>\u00a0\u00a0<a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Kaukasus_5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-22362\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Kaukasus_5-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>\u00a0\u00a0<a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Kaukasus_6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-22363\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Kaukasus_6-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die L\u00e4nder Armenien, Georgien und Aserbaidschan teilen sich den S\u00fcdkaukasus. Von Armeniens Hauptstadt Eriwan aus erblickt man in der Ferne den Berg Ararat. An ihm strandete angeblich Noahs Arche. Der Berg ist aber von Armenien aus unerreichbar, da er auf t\u00fcrkischem Gebiet liegt. Die Grenzen sind geschlossen. Die Armenier haben den V\u00f6lkermord nicht vergessen, den [&hellip;]\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[925],"tags":[],"class_list":["post-22357","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fernweh"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22357","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22357"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22357\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22364,"href":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22357\/revisions\/22364"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22357"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22357"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22357"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}