{"id":11671,"date":"2013-09-01T10:59:47","date_gmt":"2013-09-01T08:59:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/?p=11671"},"modified":"2013-09-01T10:59:47","modified_gmt":"2013-09-01T08:59:47","slug":"ein-reisebericht-vom-weltjugendtag-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/2013\/09\/ein-reisebericht-vom-weltjugendtag-2013\/","title":{"rendered":"Ein Reisebericht vom Weltjugendtag 2013"},"content":{"rendered":"<p>\u201eIn die \u201efavelas\u201c, in die \u201ecantegriles\u201c, in die \u201evillas miseria\u201c muss man gehen, um Christus zu suchen und ihm zu dienen.\u201c Mit diesem Zitat von Mutter Theresa wendete sich Papst Franziskus in einer Eucharistiefeier an die Priester und Ordensleute, die am Weltjugendtag 2013 in Rio de Janeiro teilnahmen. Auch eine 10-k\u00f6pfige Pilgergruppe, die sich im Umfeld der Jugendbildungsst\u00e4tte Marstall Clemenswerth formiert hatte, machte sich in Begleitung der Teamer Eva Schumacher, Michael Strodt und Luciano Januario de Sales auf den Weg nach Brasilien.<\/p>\n<p>Die zweieinhalb Wochen lange Reise f\u00fchrte uns in insgesamt drei Bundesstaaten und viele sehr unterschiedliche Sozialprojekte, die mit jeweils spezifischen Problematiken umgehen. Das erste Reiseziel war Recife im Nordosten des Landes, wo die Pilger ihre Zelte in der \u201eTurma do Flau\u201c aufschlugen. Der sehr warmherzige und freundschaftliche Empfang pr\u00e4gte die Atmosph\u00e4re der immer im Vorfeld des Weltjugendtages stattfindenden \u201eTage der Begegnung\u201c. Mitten im armen Stadtteil Brasilia Teimosa gelegen machen drei Ordensschwestern, viele engagierte Professores und unz\u00e4hlige \u201egute Seelen\u201c Bildungsarbeit f\u00fcr und mit den Kindern des Viertels. Traditionelle T\u00e4nze wie Maracat\u00fa, Frevo oder Capoeira, Computerschulung, Religionsunterricht und \u2013 besonders wichtig \u2013 s\u00e4ttigende Mahlzeiten sind Teil der Arbeit, an der auch die exotischen G\u00e4ste teilhaben durften. Bei gemeinsamen Strandbesuchen, deutsch-brasilianischen Fu\u00dfball-Matches oder ausgiebigen Tanzstunden konnten wir Freundschaften kn\u00fcpfen. Doch die Wichtigkeit dieses Projekts\u00a0 erkannten wir erst, als wir einige Familien zu Hause besuchten und eine Mutter uns sagte: \u201eAls die Kinder alt genug waren, habe ich sie sofort zur Turma do Flau geschickt, weil sie dort etwas zu essen bekommen.\u201c Worte, die betroffen machen und die Lebenssituation vieler Brasilianer widerspiegeln, denen schlicht das Geld fehlt, um ihre Familie ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen oder ihnen ein sauberes Heim zu bieten.<\/p>\n<p>In Recife lernten wir weitere Projekte kennen, die auf jeweils eigene Weise zum Ziel hatten, den Menschen ein besseres Leben zu erm\u00f6glichen \u2013 ob auf der Ilha de Deus im Schatten der Skyline Recifes oder bei den \u201eKleinen Propheten\u201c, einer Einrichtung f\u00fcr Stra\u00dfenkinder, von denen es\u00a0 immer noch viele gibt und die durch Drogen und Gewalt in st\u00e4ndiger Lebensgefahr schweben. Umso bemerkenswerter und beeindruckender die Lebensfreude und Hoffnung, die aus vielen Projektmitarbeiter\/-innen und \u2013teilnehmer\/-innen aller Orte sprach.<\/p>\n<p>Eine wiederum andere Problemlage zeigte sich in der l\u00e4ndlichen Region n\u00f6rdlich von Recife im Bundesstaat Para\u00edba. Dort hatten wir Gelegenheit zum Austausch mit dem Politiker und Franziskanerpater Frei Anastacio, der f\u00fcr die Arbeiterpartei im Landtag von Para\u00edba sitzt, und Vertretern der Landlosenbewegung. In einem Assentamento, einer befestigten Siedlung, und einem Acampamento, einem Camp, erfuhren wir von der Lebenssituation der Landlosen, die \u00a0ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt ist vom Kampf ums \u00dcberleben und f\u00fcr das Recht auf eigenes Land, das den Lebensunterhalt sichert.<\/p>\n<p>Auch in Rio de Janeiro bewegten wir uns auf etwas anderen Pfaden. Alle Weltjugendtagsteilnehmer des Bistums Osnabr\u00fcck waren in der Casa de Retiro Nosso Lar, einer Bildungsst\u00e4tte der Di\u00f6zese Nova Igua\u00e7u, bei guter Verkehrslage etwa eine Stunde von Rio entfernt, untergebracht. Von dort aus konnten mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln die Katechesen beim Weltjugendtag, das Menschenrechtszentrum, das zwei Mitarbeiter als Ansprechpartner zur Verf\u00fcgung gestellt hatte, oder die Kathedrale der Di\u00f6zese Nova Igua\u00e7u angesteuert werden. In dieser Kathedrale wurde 1979 ein Bombenanschlag auf den damaligen Bischof Dom Adriano Hypolito ver\u00fcbt, weil er sich an der Seite der Armen f\u00fcr ihre Rechte auf ein menschenw\u00fcrdiges Leben eingesetzt hatte.<\/p>\n<p>Das Weltjugendtagsgel\u00e4nde in Rio hingegen f\u00fchrte uns und alle WJT-Pilger durch Rios Bankenviertel, in dem sich auch die Kathedrale der Erzdi\u00f6zese Rio de Janeiro befindet, zur Copacabana, dem Ort des Er\u00f6ffnungsgottesdienstes, der n\u00e4chtlichen Vigilfeier und der Abschlussmesse.<\/p>\n<p>Gerade angesichts dieser krassen Gegens\u00e4tze stellten sich uns viele Fragen, die Mitfahrer Sebastian Vinke aus Georgsmarienh\u00fctte so zusammenfasste: \u201eIch verstehe nicht, wie man die ganze Zeit davon reden kann, dass Brasilien \u201eboomt\u201c und von der Armut und Entrechtung gro\u00dfer Bev\u00f6lkerungsteile schweigt.\u201c Und dennoch werden uns allen auch die unz\u00e4hligen gro\u00dfen und kleinen positiven Momente mit den Kindern der Turma<em> <\/em>do<em> <\/em>Flau, der Kleinen Propheten und den anderen so wichtigen Projekten nachhaltig in Erinnerung bleiben.<\/p>\n<p>Text\/Foto: Josef Becker<\/p>\n<div id=\"attachment_11675\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Ein-Reisebericht-vom-Weltjugendtag-2013-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11675\" class=\"size-medium wp-image-11675\" title=\"Ein Reisebericht vom Weltjugendtag 2013-1\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Ein-Reisebericht-vom-Weltjugendtag-2013-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Ein-Reisebericht-vom-Weltjugendtag-2013-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Ein-Reisebericht-vom-Weltjugendtag-2013-1.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11675\" class=\"wp-caption-text\">Die Kinder der Turma do Flau begr\u00fc\u00dfen uns mit dem Maracatu - und es dauert nicht lange, bis wir auch mitmachen d\u00fcrfen.<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_11677\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Ein-Reisebericht-vom-Weltjugendtag-2013-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11677\" class=\"size-medium wp-image-11677\" title=\"Ein Reisebericht vom Weltjugendtag 2013-2\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Ein-Reisebericht-vom-Weltjugendtag-2013-2-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Ein-Reisebericht-vom-Weltjugendtag-2013-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/information\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Ein-Reisebericht-vom-Weltjugendtag-2013-2.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11677\" class=\"wp-caption-text\">In dem Acampamento der Landlosen werden Maiskolben gegrillt, die uns G\u00e4sten sp\u00e4ter mit Caf\u00e9zinho gereicht werden.<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eIn die \u201efavelas\u201c, in die \u201ecantegriles\u201c, in die \u201evillas miseria\u201c muss man gehen, um Christus zu suchen und ihm zu dienen.\u201c Mit diesem Zitat von Mutter Theresa wendete sich Papst Franziskus in einer Eucharistiefeier an die Priester und Ordensleute, die am Weltjugendtag 2013 in Rio de Janeiro teilnahmen. 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