{"id":2391,"date":"2014-12-17T17:14:40","date_gmt":"2014-12-17T16:14:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/forum\/?p=2391"},"modified":"2014-12-17T17:14:40","modified_gmt":"2014-12-17T16:14:40","slug":"%e2%80%9eadvent-im-forum%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.forum-soegel.de\/forum\/archives\/2391","title":{"rendered":"\u201eAdvent im FORUM\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Inzwischen ist es schon zu einer kleinen Tradition geworden, dass sich die Mitglieder und Freunde des FORUMs jeweils am Dritten Advent in der Geschichts- und Zukunftswerkstatt zu einem gem\u00fctlichen Nachmittag zusammenfinden. Wie immer stand er auch in diesem Jahr unter einem besonderen Motto. Das Thema lautete \u201eArbeitsmigration gestern und heute\u201c. In seinen einf\u00fchrenden Worten machte der Vorsitzende, Bernd Eggert, deutlich, dass es grunds\u00e4tzlich Armut und Not seien, die die Menschen bewegten, ihre Heimat zu verlassen und woanders ihr Gl\u00fcck zu suchen. Aus deutscher Sicht sei nat\u00fcrlich eine zweiseitige Betrachtung der Thematik erforderlich. Zum einen aus der Perspektive der Auswanderer, zum anderen aus dem Blickwinkel der Aufnehmenden. Gerade aus der hiesigen, damals \u00e4rmlichen Region waren es die so genannten Hollandg\u00e4nger sowie die \u00fcberwiegend nach Amerika ausgewanderten Menschen, die allesamt unter gro\u00dfen Strapazen versuchten, ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern. Umgekehrt gibt es in der Geschichte eine Reihe von Beispielen, wo Menschen aus anderen L\u00e4ndern hier bei uns \u201eArbeit und Brot\u201c fanden. Die Gastarbeiter aus vorwiegend s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern in den 1960er Jahren z\u00e4hlten zu der gr\u00f6\u00dften Gruppe. Obwohl sie nicht unwesentlich zum Erfolg des Wirtschaftswunders beitrugen, ist man seinerzeit nicht immer freundlich mit ihnen umgegangen. Abf\u00e4llige Witze und diskriminierende Bezeichnungen sind vielen noch in Erinnerung. Aus heutiger Betrachtung ergibt sich gl\u00fccklicherweise eine v\u00f6llig andere Sicht. Unser kulturelles Leben hat in vielerlei Beziehung eine Bereicherung erfahren. Nicht zu vergessen, dass einer gro\u00dfen Zahl von Betroffenen das hier verdiente Geld zu einer selbstst\u00e4ndigen Existenz in ihrer Heimat verholfen hat.<\/p>\n<p>An dieser Stelle ist der Bogen zu spannen zur aktuellen Situation in S\u00f6gel, wo ca.1.200 Menschen \u00fcberwiegend aus Bulgarien, Polen, Rum\u00e4nien und Ungarn Arbeit im hiesigen Schlachthof finden. Das ist die gr\u00f6\u00dfte Gruppe. In verschiedenen anderen Berufen und T\u00e4tigkeitsfeldern gilt \u00e4hnliches. Das fr\u00fcher benutzte Wort \u201eGastarbeiter\u201c impliziert, dass wir sie wie G\u00e4ste behandeln, die ihren Teil beitragen zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region, wir ihnen also mit Respekt, Achtung und \u2013wo n\u00f6tig \u2013 unterst\u00fctzend entgegenkommen.<\/p>\n<p>Soweit zum thematischen Einstieg.<\/p>\n<p>Den Hauptteil des adventlichen Nachmittags bestritt Holger Lemmermann, in dem er sein j\u00fcngstes Buch \u201eAuswanderer vom H\u00fcmmling in Amerika\u201c vorstellte. Mit einer Reihe von Ver\u00f6ffentlichungen gilt Lemmermann als \u00fcberaus anerkannter und gesch\u00e4tzter Fachmann der regionalen Geschichtsforschung. Zun\u00e4chst getrieben von pers\u00f6nlichen Ans\u00e4tzen zur eigenen Ahnenforschung, machte er sich auf den Weg, die Schicksale von Auswanderern vom H\u00fcmmling zu erforschen. Gespannt verfolgten die Zuh\u00f6rer die Entstehungsgeschichte seines neuen Werks. Wie ist er vorgegangen, welche Quellen hat er benutzt, welchen Schwierigkeiten ist er begegnet? Alle diese Fragen und mehr beantwortete Lemmermann auf seine ihm eigene sachlich\u00a0 humorvolle Weise.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend beleuchtete er Einzelschicksale von H\u00fcmmlinger Menschen, die den Sprung \u00fcber den \u201egro\u00dfen Teich\u201c gewagt und erlebt haben. Nicht alle freiwillig. Der ein oder andere verlie\u00df seine Heimat unter Zwang, um dem Gef\u00e4ngnis oder dem Wehrdienst zu entgehen. Die Bilderbuch-Karriere \u201eVom Tellerw\u00e4scher zum Million\u00e4r\u201c war im Ansatz nur wenigen verg\u00f6nnt. Viele haben Unglaubliches geschafft, die meisten etablierten sich im Mittelstand, andere wenige sind hoffnungslos gestrandet. Angesichts der riesigen Herausforderungen, die die Auswanderer erwarteten, kamen den H\u00fcmmlingern ihre grundlegenden Eigenschaften zu Gute: Flei\u00df, Z\u00e4higkeit und Durchhaltewillen.<\/p>\n<p>Die meisten von ihnen siedelten sich im mittleren Westen an und bildeten in den Orten kleine Gemeinschaften, in denen sie ihre katholische Religion und die plattdeutsche Sprache pflegten.<\/p>\n<p>Holger Lemmermann ist es in hervorragender Weise gelungen, die Zuh\u00f6rer zu fesseln und mit immer wieder eingestreuten Anekdoten und skurrilen Geschichten zu Namen, die heute noch in der Region weit verbreitet und den Zuh\u00f6rern gel\u00e4ufig sind, sie zum Schmunzeln zu veranlassen.<\/p>\n<p>Ein anhaltender Applaus belohnte seine Ausf\u00fchrungen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/forum\/wp-content\/uploads\/DSC_0192.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2392\" title=\"DSC_0192\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/forum\/wp-content\/uploads\/DSC_0192.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"340\" srcset=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/forum\/wp-content\/uploads\/DSC_0192.jpg 640w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/forum\/wp-content\/uploads\/DSC_0192-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/forum\/wp-content\/uploads\/DSC_0188.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2393\" title=\"DSC_0188\" src=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/forum\/wp-content\/uploads\/DSC_0188.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"340\" srcset=\"https:\/\/www.forum-soegel.de\/forum\/wp-content\/uploads\/DSC_0188.jpg 640w, https:\/\/www.forum-soegel.de\/forum\/wp-content\/uploads\/DSC_0188-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inzwischen ist es schon zu einer kleinen Tradition geworden, dass sich die Mitglieder und Freunde des FORUMs jeweils am Dritten Advent in der Geschichts- und Zukunftswerkstatt zu einem gem\u00fctlichen Nachmittag zusammenfinden. 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